Paradoxon: Je mehr Eier Schildkröten legen, desto weniger Junge schlüpfen

10. Juli 2016, 20:33
11 Postings

Weder Raubtiere noch Fluten töten auf Raine Island die Brut – es könnte die hohe Anzahl an Nestern selbst sein, die den Bruterfolg schmälert

Brighton/Canberra – Am Rande des Great Barrier Reef liegt die australische Insel Raine Island, die trotz einer Größe von nur 32 Hektar zu den weltweit wichtigsten Brutplätzen von Suppenschildkröten (Chelonia mydas) zählt. Das Inselchen ist allerdings seit Jahren Schauplatz eines seltsamen Phänomens – nicht dass Suppenschildkröten in Scharen an den sandigen Stränden zur Eiablage eintreffen. Sondern dass die Rate an Jungtieren, die aus diesen Eiern schlüpfen, immer geringer wird. Zuletzt lag sie schon bei unter 30 Prozent.

Wissenschafter rätseln schon länger, was die Ursache dafür ist, denn eigentlich ist Raine Island der perfekte Ort für eine Schildkrötenbrut: Ausreichend große, warme Sandstrände, ein schützendes Korallenriff vor der Küste und keinerlei einheimische Raubtiere, die sich über die Brut hermachen würden.

Mögliche Faktoren

Überflutungen wurden verantwortlich gemacht – und deshalb vor der Brutsaison 2014 der Strand mit Bulldozern einen bis eineinhalb Meter aufgeschüttet. Danach blieb der Meeresspiegel zwar deutlich unter dem Niveau der Gelege. Die Schlupfraten waren zur Frustration der Forscher aber dennoch extrem niedrig.

Nun wartet ein australisches Wissenschafterteam mit einer ganz anderen Erklärung auf: Es liege paradoxerweise an der hohen Zahl von Eiern selbst, dass so wenig Nachwuchs überlebt. Als Indiz dafür wertet das Team um den Biologen David Booth, dass ein Jahr nach dem erfolglosen Bulldozereinsatz – aus welchen Gründen auch immer – nur wenige Suppenschildkröten auf der Insel zur Eiablage eintrafen. Dafür war in diesem Jahr die Schlupfrate doppelt so hoch wie im Jahr davor.

Pump up the turtle nest!

Mehrere Faktoren könnten hier entscheidend sein: Entweder fallen die Schildkrötenbabys Bakterien oder Pilzen zum Opfer, die sich bei dicht an dicht liegenden Gelegen leichter ausbreiten können. Oder die Dichte an Gelegen ist so groß, dass im Boden der Sauerstoffgehalt unter und der Kohlendioxidgehalt über eine kritische Schwelle gerät.

Booth, der seine Hypothese auf dem Jahrestreffen der Society for Experimental Biology in Brighton präsentierte, weiß bereits, wie er diese überprüfen will: Beim nächsten Mal will er die Gelege durch Aquarienluftpumpen mit Sauerstoff beblasen. Wenn das funktioniert, ist das Rätsel gelöst. (jdo, 10. 7. 2016)

  • Scharenweise treffen Suppenschidkröten auf Raine Island ein. Sind es zu viele, machen sie sich den Bruterfolg allerdings teilweise wieder zunichte.
    foto: queensland government, raine island recovery project

    Scharenweise treffen Suppenschidkröten auf Raine Island ein. Sind es zu viele, machen sie sich den Bruterfolg allerdings teilweise wieder zunichte.

Share if you care.