Deutsches Sexualstrafrecht: Das Recht im Schlafzimmer

Kommentar7. Juli 2016, 17:31
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Die Reform wird leider nicht verhindern, dass Frauen weiterhin Übergriffen ausgesetzt sind

Wenn es ins sehr Persönliche, Private – ja Intime geht, dann feiert der (Altherren-)Witz bekanntlich fröhliche Urständ. Und so verwundert es nicht, dass auf Karikaturen in Deutschland nun häufig ein Mann und eine Frau im Bett zu sehen sind, die vor dem Geschlechtsverkehr erst einmal Einverständniserklärungen unterzeichnen und festlegen, was der Mann alles darf.

Wahnsinnig witzig – genauso wie jene Stimmen, die nun, da der Bundestag das Sexualstrafrecht verschärft hat, von einer neuen "Schlafzimmerpolizei" warnen. Weil es die Frauen jetzt mit der Reform ja angeblich so leicht haben, Sex abzulehnen – und die Männer, wenn sie nicht parieren, sofort ins Gefängnis kommen.

All das ist unsinnig. Es bleibt dabei, dass eine Frau den Beweis für eine Vergewaltigung erbringen muss. Damit wird der massenhaften Verleumdung eben nicht Tür und Tor geöffnet. Denn darum geht es bei der Reform auch nicht. "Nein heißt Nein" lautet die simple Übersetzung für Männer, die etwas Wesentliches nicht begreifen: dass man sich eine Frau nicht einfach nimmt, wenn sie nicht will.

Und dass Nein eben wirklich Nein bedeutet und sicher nicht: Ich sag halt Nein, aber in Wirklichkeit will ich es ja eh. Die Reform wird leider nicht verhindern, dass Frauen weiterhin Übergriffen ausgesetzt sind. Wichtig ist sie dennoch, denn sie macht deutlich, dass auch das Schlafzimmer kein rechtsfreier Raum ist. (Birgit Baumann, 7.7.2016)

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