Mit der Flinte gegen Flüchtlinge: "Verschwindets"

7. Juli 2016, 17:28
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"Bikerwirt" aus Spielfeld wegen schwerer Nötigung angeklagt: Er habe FPÖ-Politikern "imponieren" wollen

Graz – Die angegraute Mattn, die vor Monaten noch weit den Nacken hinunter reichte, ist einem extremen Kurzhaarschnitt gewichen. Aber zumindest das T-Shirt, mit dem er am Donnerstag vor der Richterin im Grazer Straflandesgericht auftaucht, kultiviert noch ein wenig sein "Wilder Hund"-Image: Ein Totenkopf mit Sonnenbrille und rotem Stirnband ziert die Rückseite des Leiberls.

Viel ist nicht mehr übriggeblieben vom Easy-Rider-Feeling, der 59 Jahre alte Motorradfreak Werner L. ist irgendwann scharf rechts abgebogen. FPÖ-Politiker zählen heute zu den Gästen in seinem Spielfelder Bikerlokal – auch Heinz-Christian Strache. Zuletzt tummelten sich Identitäre und Pegida-Leute im Gastgarten. Und genau dieser steht im Mittelpunkt der Anklage, die Werner L. schwere Nötigung und versuchte Körperverletzung vorwirft. Mit einem Gewehr in der Hand hatte L. Flüchtlinge, die sich in seinem Gastgarten aufgehalten hatten, vertrieben. "Verschwindets", habe er gerufen. Es waren die Tage, als Tausende über die Grenze kamen.

Die Tiefkühltruhe hätten sie ihm abgesteckt, um die Steckdose fürs Handyaufladen zu verwenden. Den ganzen Tag sei er dann Patrouille gegangen, schließlich habe er einen Zaun ums Lokal errichtet. Das alles erzählte Werner L. einem FPÖ-Parlamentarier im FPÖ-TV.

"Nur ein Spielzeuggewehr"

Die Flinte ist auf einem Foto dokumentiert, Polizeiexperten identifizierten sie als Schrotgewehr, L. schwört, es sei nur ein Spielzeuggewehr gewesen, eine Softgun. Nur blöderweise ist sie runtergefallen und kaputtgegangen, weswegen sie bei der Hausdurchsuchung auch nicht mehr auffindbar gewesen sei. Im FPÖ-TV habe er aber dezidiert von einem Schrotgewehr gesprochen, hält ihm die Richterin vor. Ja, aber nur, weil er sich vor dem FPÖ-Politiker nicht blamieren wollte. Er mit einer Softgun: Das wäre nicht gut gekommen. Und weil er den blauen Politiker eben beeindrucken wollte, habe er auch die Sache mit dem Flüchtling, auf den er – wie er im FPÖ-TV erzählt – das Gewehr gerichtet habe, weil dieser seine Notdurft verrichten wollte, nur erfunden. "Mit einer Nötigung wollten Sie einen FPÖ-Politiker beeindrucken?", bemerkt der Staatsanwalt spitz.

Und was ist mit der Pfeffersprayattacke gegen einen Demonstranten, wie auf einem Video ersichtlich, fragt die Richterin. Blödsinn, er habe nur auf den Boden gezielt. Das Video könne nicht echt sein. Er habe die Pegida-Leute, die im Garten saßen, und die vorbeiziehenden Demonstranten auseinanderhalten wollen.

Der Prozess wurde vertagt. (Walter Müller, 7.7.2016)

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