Turandot mordet am See, Hamlet singt im Festspielhaus

Bericht8. Juli 2016, 07:27
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Turandot auf der Seebühne garantiert ausverkaufte Ränge. Im Festspielhaus bieten die Bregenzer Festspiele Rares

Bregenz – Die Festspielsaison 2016 ist für die Bregenzer Festspiele eine besondere. 70 Jahre nach der Gründung feiert man ganz nostalgisch. Noch bevor am 20. Juli die Festspiele eröffnet werden, geht im Bregenzer Gondelhafen am Vorabend der Premiere eine besondere Aufführung über die Bühne: Ein Singspiel auf einem Kieskahn.

Wie 1946, als man für das erste Spiel auf dem See zwei Kiesfrachter im Gondelhafen verankerte, und Mozarts Singspiel "Bastien und Bastienne" aufführte, wird wieder ein Kiesfrachter zur Bühne. Es gibt wieder Mozart, "unplugged" wie damals. Ein großes Fest als Verbeugung vor der Gründergeneration verspricht Intendantin Elisabeth Sobotka. Die Vorbereitungen seien "aufregend", sagt sie, "schließlich hat noch niemand von uns auf einem Kieskahn gespielt".

Neuland ist auch die Oper im Festspielhaus. Mit "Hamlet" von Franco Faccio (Libretto: Arrigo Boito) hat Sobotka eine Opernrarität aus der Versenkung geholt. Seit 1871 ist die Oper in Europa nicht mehr aufgeführt worden, 2014 zeigte man sie an der Opera Southwest in Albuquerque.

Hamlet als Oper

Das Werk sei zu Unrecht vergessen, sagt Regisseur Olivier Tambosi. Wie Sobotka gaubt er, dass es gerechtfertigt ist, das Werk wieder zum Leben zu erwecken. Große italienische Oper erwarte das Publikum und ein Libretto, das durch seine Poesie besteche. Überlänge müsse man nicht befürchten, der Opern-Hamlet sei auf drei Stunden gestrafft.

Singen wird den Hamlet der Brünner Tenor Pavel Černoch. Er spricht von der wohl schwierigsten Rolle seiner bisherigen Laufbahn. Er habe sich lange überlegt, ob er diesen "absoluten Wahnsinn" singen solle. Schließlich habe es ja einen Grund, warum das Werk vergessen sei. "Bei der Weltpremiere hat es der Tenor nicht geschafft."

Paolo Carignani, der dieses Jahr als musikalischer Leiter von Turandot und Hamlet in einer Doppelfunktion in Bregenz ist, glaubt, dass man den Opern-Hamlet zu Recht aus der Versenkung holt. Faccio und Boito wollten mit ihrer Oper die Musikwelt verändern, "damals waren sie sicher revolutionär". Ein großes Schauspiel als Oper zu inszenieren, sei ein Wagnis, sagt Regisseur Tambosi. Von Wagners Ansicht, Hamlet gehe den Musiker nichts an, hält er nichts.

Die österreichische Erstaufführung von Hamlet hat am 20. Juli Premiere (ausverkauft), weitere Vorstellungen am 25. und 28. Juli.

Turandot, ein Opern-Hit

Auf der Seebühne regiert auch 2016 Puccinis grausame Prinzession Turandot. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli geht entspannt in seine zweite Saison. Der Druck sei bei der Reprise weg, "es macht nur noch Freude".

"Turandot" war 2015 wie erwartet ein Kassenfüller. Überraschend groß sei die Nachfrage auch für die Reprise, freut sich Michael Diem, der Kaufmännische Direktor der Festspiele. 75 Prozent der Karten habe man bereits verkauft.

Das Spiel auf dem See hat am 21. Juli Premiere, insgesamt stehen 23 Aufführungen auf dem Programm.

Seit der Gründung haben über acht Millionen Menschen die Bregenzer Festspiele besucht. (Jutta Berger, 8.7.2016)

  • Proben zu Turandot auf der Bregenzer Seebühne.
    foto: karl forster

    Proben zu Turandot auf der Bregenzer Seebühne.

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