Taus verlässt sich nicht auf Kredite

7. Juli 2016, 16:51
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Die starke Regulierung der Banken bremse Österreichs Betriebe bei ihren Investitionen, sagt der frühere Politiker und nunmehrige Unternehmer Josef Taus

Wien – In der personellen Neuaufstellung der Regierung sieht Josef Taus durchaus eine Chance. Das neue Reformpaket rund um Start-ups nennt der langjährige Banker, frühere ÖVP-Parteichef und nunmehrige Unternehmer einen richtigen Schritt. Wobei er zu bedenken gibt, dass auf tausend in Aussicht gestellte neu gegründete Firmen jährlich mehr als 1.600 Insolvenzen allein im Produktionsbereich kommen und langfristig maximal gut 15 Prozent der Start-ups überleben. Es brauche daher auch andere Schritte für die Wirtschaft.

Taus baut seit zwei Jahrzehnten ein Firmenreich aus Handelsketten wie Libro/Pagro und Industriebetrieben rund um Zutrittskontrollen und Werkzeugbau auf. Als drittes Standbein dienen ihm kleine Druckereien und Verlage.

84 ist Taus mittlerweile. Schritt für Schritt übergab er operative Verantwortung an seinen Schwiegersohn und Nachfolger Martin Waldhäusl. Bald will er sich ganz von der Konzernspitze zurückziehen. "Ich habe die durchschnittliche Lebenserwartung eines Ostösterreichers bei weitem überschritten." Wo er seine Unternehmensgruppe in ihrem Wirken gebremst sieht, ist die Bankenfinanzierung.

Immer wieder hat Taus mit der MTB quer durch die Branchen akquiriert. Drei, vier Projekte böten sich auch jetzt an – trotz guter Liquidität sei ihm das finanzielle Risiko bei größeren Investitionen jedoch einfach zu hoch, meint er. Aufgrund der von der EU vorgegebenen "Banken-Überregulierung" dürfe sich auch keiner wundern, wenn nun gejammert werde, dass österreichische Klein- und Mittelbetriebe nichts mehr investierten, ergänzt er. Es werde einige Jahre brauchen, bis sich Österreichs Finanzsystem, das auf keinem organisierten Kapitalmarkt fuße, ans internationale Umfeld anpasse.

Die bestehenden Unternehmen des Ex-Wirtschaftspolitikers laufen derweil in ruhigen Bahnen. Sie wuchsen in Summe über die Jahre auf 850 Millionen Euro Umsatz heran, erzielen stabile Gewinne und zählen 5.700 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland. Knapp 717 Millionen Umsatz verbucht allein der Einzelhandel.

Expansion in Deutschland

Derzeit werden alle Libro-Filialen modernisiert. Die einst in die Pleite geschlitterte und von Taus sanierte Handelskette beschäftigt 1.300 Mitarbeiter an 140 Standorten. Den höchsten Ergebnisbeitrag liefert der Diskonter Pagro.

In Deutschland expandieren die Österreicher mit den Billiganbietern Pfennigpfeiffer und Mäc Geiz. Zweiterem gelang im Vorjahr der Sprung an die Ostsee. Waldhäusl investierte 20 Millionen Euro, eröffnete 23 neue Shops und baute das deutsche Zentrallager um ein Drittel aus. In Deutschland liege, wie er resümiert, auch künftig der Schwerpunkt des Wachstums.

Ob sich MTB von der Börse zurückzieht, ist noch nicht entschieden. Offen ist auch, ob sich Taus seinen Wunsch nach einer Mitarbeiterbeteiligung erfüllt. Klären will er das bis Ende August. (vk, 7.7.2016)

  • Josef Taus (84) will sich über kurz oder lang von der Konzernspitze zurückziehen. "Ich habe die durchschnittliche Lebenserwartung eines Ostösterreichers bei weitem überschritten."
    foto: franz baldauf

    Josef Taus (84) will sich über kurz oder lang von der Konzernspitze zurückziehen. "Ich habe die durchschnittliche Lebenserwartung eines Ostösterreichers bei weitem überschritten."

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