Islam in der Türkei: Rückeroberung

Einserkastl7. Juli 2016, 17:00
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Die Frage ist, ob Erdogan die religiösen Nationalisten im Griff behalten will und kann

Auf den griechischen Inseln nahe der türkischen Küste ist ein verstärkter Andrang von wohlhabenden türkischen Touristen bemerkbar. Es heißt, die hedonistischen "Yacht-Flüchtlinge" weichen für den Badeurlaub dem wachsenden Einfluss der streng Religiösen zu Hause aus.

Tatsächlich ist der Vormarsch des staatlich gestützten konservativen Islam in der Türkei unübersehbar. Ein besonderes Alarmzeichen: Während des Ramadan eroberten die Religiösen mit einem Handstreich die Hagia Sophia in Istanbul zurück. Die jahrhundertelang größte christliche Kirche wurde um 550 vom byzantinischen Kaiser Justinian errichtet und ist immer noch eines der beeindruckendsten Bauwerke aller Zeiten. Nach der Eroberung von Konstantinopel 1453 durch die Osmanen wurde sie in eine Moschee umgewandelt. Der Staatsgründer der modernen Türkei, Atatürk, machte aus ihr 1934 ein Museum.

Jetzt wurde die Hagia Sophia während des islamischen Fastenmonats täglich für ein paar Stunden wieder zur Moschee. In der Nacht trafen einander hohe muslimische Geistliche, rezitierten den Koran und riefen zum Gebet, live im TV der staatlichen Religionsbehörde Diyanet. Das geht nicht ohne Einwilligung Erdogans.

Die Frage ist, ob er die religiösen Nationalisten, die die Hagia Sophia wieder in eine Moschee verwandeln wollten, im Griff behalten will und kann. (Hans Rauscher, 7.7.2016)

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