Lithium-Akkus: Praktisch, aber nicht ungefährlich

7. Juli 2016, 16:33
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Brandgefahr nicht unterschätzen – Experten mahnen zu vorsichtigem Umgang

Sie sind in Smartphones, Laptops, Digitalkameras und Akkubohrern enthalten und treiben E-Bikes an. Lithium-Akkus zeichnen sich durch kurze Ladedauer, relativ lange Laufzeit und geringes Gewicht aus. Und außerdem sind sie recht sensibel. Fachleute aus der Abfallwirtschaft mahnen zu einem sorgsamen Umgang mit Lithium-Akkus, um unkontrollierte Reaktionen zu vermeiden.

Gefahren nicht unterschätzen

"Lithium-Akkus können zum Beispiel auf starke Wärmezufuhr und mechanische Beschädigungen reagieren", erklärte Johann Mayr, Bundeskoordinator der Arge Abfallwirtschaftsverbände. Konkret bedeutet das: Der Akku eines Smartphones, das großer Hitze ausgesetzt ist, kann zu brennen beginnen, was den Austritt von Dämpfen zur Folge hat.

"Von den Herstellern wird darauf hingewiesen, dass solche Geräte nicht bei Temperaturen über 60 Grad verwendet werden sollen – in einem Auto kann es unter der Windschutzscheibe im Sommer durchaus 70 Grad und mehr haben", sagte Mayr zur APA. Er rät dazu, Hinweise der Hersteller zu befolgen – auch jenen, ausschließlich Original-Zubehör inklusive Ladegeräte zu verwenden, die auf die entsprechende Volt-Zahl abgestimmt sind.

"Die Gefahr für den Konsumenten ist nicht übertrieben groß. Aber man sollte auf jeden Fall Vorsicht walten lassen", sagte Mayr. Denn wenn auch nur ein Promillesatz der Geräte kaputtgeht, ist das gefährlich genug." Zu Vorsichtsmaßnahmen gehören darüber hinaus: Mechanische Beschädigungen vermeiden, Akku-Kontakte außerhalb der Geräte nicht in Berührung mit Metall – etwa Schlüssel oder Münzen – kommen lassen, damit kein Kurzschluss entsteht. Sichtbare blanke Kontakte bei größeren Lithium-Akkus vor der Entsorgung mit Klebeband isolieren.

Laptops gingen in Flammen auf

Welche Folgen ein solcher Kurzschluss haben kann, hat sich nach den Worten Mayrs vor etwa zwei Jahren in einem Zwischenlager einer Abfallbehandlungsanlage in Wien gezeigt. "Dort ist innerhalb von nur acht Sekunden eine Gitterbox mit Notebooks in Flammen gestanden", sagte der Fachmann. "Ein Mitarbeiter, der daneben gestanden ist, hat sich schleunigst in Sicherheit gebracht."

Das Umweltministerium hat nach Angaben des Fachmanns bereits eine Novelle zur sogenannten Abfallbehandlungspflichtenverordnung erarbeitet, bei der es um Lithium-Akkus und deren Behandlung geht. Der Entwurf befindet sich derzeit in Brüssel und werde auf die Vereinbarkeit mit EU-Recht geprüft. Die Arge Abfallwirtschaft hat laut Mayr mit der Schulung der Mitarbeiter von Sammelzentren begonnen.

Hohe Sammelquote in Österreich

Welche Mengen an Lithium in Österreich zur Entsorgung anfallen, wird nicht erhoben. Insgesamt wurden 2015 – nach noch vorläufigen Zahlen – 2.300 Tonnen Altbatterien gesammelt, wie Elisabeth Giehser, Leiterin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle, sagte. "Mit einer Sammelquote von über 55 Prozent sind wir im EU-Spitzenfeld", betonte Giehser. Sie schätzt, dass etwa vier Prozent der Gesamtmasse (also nicht Stückzahlen, Anm.) auf Lithium-Batterien entfallen. Allein bei E-Bikes sind Zahlen bekannt. In Österreich gibt es rund 300.000 Elektrofahrräder, die alle mit – leistungsstarken und daher großen – Lithium-Akkus betrieben werden.

Brandgefahr gibt es auch hier: Fünf Fälle seien ihm bekannt, in denen sich Akkus von E-Bikes entzündet hätten und Feuer in Fahrradhandlungen entstanden sei, sagte Bundeskoordinator Mayr. Seine Erfahrungen im "Kleinen": "Einer Kollegin ist einmal das Handy beim Telefonieren explodiert". Lithium-Akkus sind zwar in vielen Bereichen omnipräsent, ihr Bekanntheitsgrad lässt aber durchaus zu wünschen übrig. Laut den Ergebnissen einer Umfrage der Altgeräte Koordinierungsstelle weiß jeder Zweite nicht, dass seine Digi-Cam oder sein Smartphone einen solchen Akku enthält. (APA, 07.07.2016)

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