Die nächste EURO kommt bestimmt

7. Juli 2016, 16:38
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2020 wird die Europameisterschaft in 13 Ländern und Städten gespielt. Das war eine Idee von Michel Platini. Vermutlich seine Letzte. Derweil wird eine weitere Aufstockung befürchtet

Paris – Wer schon den EM-Modus in Frankreich nicht mochte, der kann das Gefühl konservieren. Die historische EURO 2020, die aufgrund der fixen Idee des inzwischen gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini in 13 Ländern ausgetragen werden muss, ist maximal eine Verschlimmbesserung.

Zwischen Dublin im Westen und Baku im Osten müssen Millionen Fans pendeln, wenn sie mehr als zwei Spiele ihres Nationalteams sehen wollten. In jeder der 13 Städte werden maximal vier Partien angepfiffen, dann zieht der Tross der Uefa weiter. In Deutschland finden in München drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale statt, das ist wohl zu wenig, um eine EM-Stimmung aufkommen zu lassen. Wien hat sich übrigens nicht beworben, es wäre vergebliche Liebesmüh gewesen, das Happel-Stadion erfüllt längst nicht mehr die Kriterien. Die teilnehmenden Mannschaften werden daheim das Hauptquartier aufschlagen, zu den Matches hin- und wieder zurückfliegen.

Absprachen

Das attraktivste Paket mit beiden Halbfinalpartien und dem Endspiel ging bei der Vergabe 2014 an England, Austragungsort ist das Wembley-Stadion in London. Allerdings auch deshalb, weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zugunsten der besseren Chancen auf die dann wieder "normale" EM 2024 auf eine Kampfabstimmung verzichtete. Direkte Absprachen bestreiten beide Verbände, das ist fast schon wieder herzig.

Die Hinterzimmerpolitik der Uefa hat aber erst dazu geführt, dass sich die Reiseveranstalter und Tourismusbehörden schon freudig die Hände reiben. Platini, damals als Präsident unantastbar, fand es "romantisch", dass der 60. Geburtstag des Turniers mit einer Endrunde in ganz Europa gefeiert werden kann. Das war im Sommer 2012. Im März 2015 wurde der Franzose unter großem Applaus in seine dritte Amtszeit gewählt, die jüngst von der Fifa-Ethikkommission vorzeitig beendet wurde. Rückgängig machen lässt sich die Entscheidung des Exekutivkomitees nicht mehr. Dass ausgerechnet in London der Showdown stattfindet, ist nach dem Brexit nicht uncharmant. Wobei den britischen Austritt aus der EU im Juni 2016 nicht einmal Platini hat ahnen können.

Platinis realisierte Vision kam vor allem bei den Kleinen an, die nie eine komplette EM hätten stemmen können. Gespielt wird auch in Baku, wo sogar ein Viertelfinale steigt, Glasgow, Budapest, St. Petersburg, Rom, Kopenhagen, Bilbao, Amsterdam, Bukarest und Brüssel. Dazwischen liegen Tausende Kilometer. Alle Ausrichter müssen sich allerdings auf sportlichem Wege qualifizieren, Heimspiele des eigenen Nationalteams sind nicht garantiert.

Aufgebläht

"So haben wir die Gewissheit, dass wir bei mindestens zwei Spielen zu Hause antreten können", sagte der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der noch im Uefa-Exekutivkomitee sitzt. "Vorausgesetzt natürlich, dass sich die Nationalmannschaft für das Turnier qualifiziert, wovon ich aber ganz sicher ausgehe."

Insgesamt werden wie schon 2016 in Frankreich 24 Teams um den Titel spielen. Die Kritik am aufgeblähten Modus reichte am Ende nicht aus, die Uefa sieht sich sogar bestätigt. "Dieses Format hat sehr viele Vorteile" , sagte Interims-Generalsekretär Theodore Theodoridis in Paris. Zwar gebe es Nachteile, "aber am Ende des Tages nehmen acht Länder mehr teil, in denen die Entwicklung des Fußballs gefördert wird. Und das ist das, was zählt."

Möglich, dass für die EM 2024 dann sogar über eine weitere Aufstockung beraten wird. Eine Endrunde mit 32 der aktuell nur 55 Uefa-Mitglieder erscheint aufgrund der dann fast unnötigen Qualifikation aber doch zu viel. Das hatten die Funktionäre allerdings auch vor der 24er-Revolution gesagt. (sid, red, 7.7.2016)

  • Im Wembley-Stadion wird die EURO 2020 beendet. Ohne Brexit wäre London ein bisserl symbolträchtiger gewesen.
    foto: epa/rain

    Im Wembley-Stadion wird die EURO 2020 beendet. Ohne Brexit wäre London ein bisserl symbolträchtiger gewesen.

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