Trotz Waffenruhe heftige Gefechte um nordsyrische Stadt Aleppo

7. Juli 2016, 16:01
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Kämpfe um letzte Nachschubroute der Rebellen

Damaskus – Trotz einer vom Regime einseitig verkündeten Waffenruhe hat es im Norden Syriens heftige Kämpfe zwischen Anhängern der Regierung und Rebellen gegeben. Regierungstruppen versuchten am Donnerstag, die letzte Versorgungsroute der Rebellen in der strategisch wichtigen Großstadt Aleppo zu kappen, wie die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte.

Laut Beobachtungsstelle lieferten sich die Soldaten heftige Gefechte mit der Rebellengruppe Jaish al-Islam und kamen bis auf Schussweite an die Castello-Straße heran, die in die von Rebellen gehaltenen Stadtteile führt und deren letzte Nachschubroute ist. Die Versorgungsstraße sei durch den Beschuss faktisch unpassierbar geworden, so die Beobachtungsstelle. Diese bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite allerdings kaum zu überprüfen. Die russische Luftwaffe habe die Offensive mit heftigen Luftschlägen unterstützt. Die Aufständischen holten nach eigenen Angaben Verstärkung, um die von der Armee eingenommenen Gebiete zurückzuerobern. Der Angriff der Regimekräfte sei zurückgeschlagen worden, erklärten sie später.

"Im Moment kann niemand nach Aleppo rein oder raus", sagte ein Kommandant der Rebellengruppe Fastakim der Nachrichtenagentur Reuters. Aleppo, zweitgrößte Stadt Syriens, ist seit 2012 zwischen Anhängern der Regierung und der Opposition geteilt. Seit langem versucht die syrische Armee zusammen mit ihren Verbündeten, die für die Rebellen lebenswichtige Route aus der Stadt in Richtung der türkischen Grenze zu kappen. Sollten die Regimegegner diese Verbindung verlieren, wären die Rebellengebiete Aleppos von der Außenwelt praktisch abgeschnitten.

Bei den Gefechten seien mindestens vier Kämpfer von Jaish al-Islam getötet worden, berichtete die Beobachtungsstelle unter Berufung auf die von Saudi-Arabien unterstützte Islamistengruppe. In dem von den Regierungstruppen kontrollierten Stadtviertel Sayf al-Dawla seien zudem drei Menschen durch Rebellenbeschuss getötet worden.

Syriens Führung hatte am Mittwoch eine einseitige dreitägige Feuerpause ("Regime der Stille") verkündet, die während der Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan bis Freitagnacht dauern soll. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) kündigte an, sie werde sich ebenfalls an die Waffenruhe halten, wie die Nachrichtenseite Masar Press meldete. Gekämpft wurde jedoch weiter, vor allem in und um Aleppo. Regierungstruppen und Rebellen griffen dort weiterhin die gegnerischen Stadtviertel an.

Das Regime habe die Feuerpause nur vorgeschoben, sagte Mahmoud al-Shami, ein Aktivist aus Aleppo, der dpa. "Es ist ein neues Manöver des Regimes, um Vorteile zu erlangen." Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete hingegen, die Regierungskräfte seien gegen "Terroristen" vorgegangen. So bezeichnet Syriens Führung alle Rebellengruppen.

Eine anhaltende Waffenruhe gilt als Voraussetzung für die Wiederaufnahme der ausgesetzten Genfer Friedensgespräche. Im Februar hatten sich die USA und Russland auf einen Waffenstillstand geeinigt, dieser wurde aber immer wieder gebrochen. Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt verließ die Opposition die Friedensgespräche.

Ende Februar war in Syrien bereits eine von Russland und den USA vermittelte landesweite Feuerpause in Kraft getreten, die allerdings Angriffe auf Jihadisten ausnahm. Die Vereinbarung wurde in der Folge wiederholt von den Kriegsparteien gebrochen. (APA, 7.7.2016)

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