Wahrscheinlichkeit eines Blackouts gestiegen

7. Juli 2016, 16:08
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Situation könnte brenzlig werden, Stromnetzbetreiber in Österreich warnen vor Renditekürzungen bei Leitungsbau

Wien – Es klingt paradox und ist schwer zu verstehen: Strom gibt es europaweit zwar mehr als genug, aber ausgerechnet das macht die Stromnetze instabil wie selten zuvor. Grund sei der massive Ausbau erneuerbarer Energien, ohne dass gleichzeitig genügend Hochspannungsleitungen gebaut worden wären, wiesen Vertreter von Österreichs Energie Mittwochabend auf eine immer brenzliger werdende Situation hin.

"Die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts ist zweifellos gestiegen", sagte Klaus Schüller, der bei der Tinetz Tiroler Netze GmbH für die Systemführung Netze zuständig ist. Weil Leitungsverbindungen fehlen, um den Strom vom Ort der Erzeugung zum Ort des Verbrauchs zu bringen, könnten die Netze bei einem unvorhergesehenen Ausfall von Sonnen- oder Windenergie kollabieren. Wäre Europa großräumig von einem Ausfall betroffen, würde es sieben Tage dauern, bis das Stromsystem wieder so ist, wie es vor dem Ausfall war, sagte Schüller.

Wind, Wasserkraftwerke, Photovoltaik

Ganz Europa blicke auf die Alpenländer mit ihren Pumpspeichern in der Hoffnung, dass im Ernstfall von dort der Wiederaufbau der Netze erfolgen könne. Dazu benötige man aber starke Stromleitungen. Es gebe drei große Energiequellen auf erneuerbarer Basis. Im Norden Europas den Wind, in den Alpen die Wasserkraftwerke und im Süden Photovoltaik. Diese drei müssten miteinander besser vernetzt werden.

Die Auswirkungen eines Blackouts würden vielfach grob unterschätzt, auch von der Politik. "Nur ein Beispiel: In Deutschland gibt es 14.000 Tankstellen – davon fünf mit Notstrom. Das bedeutet, dass innerhalb weniger Minuten 80 Millionen Menschen auf einem Meer von Treibstoff sitzen, aber nicht mehr ran kommen, weil die Pumpen ohne Strom nicht funktionieren", sagte Schüller.

Die Netzbetreiber wollen bis zum Jahr 2030 rund zehn Milliarden Euro investieren, davon rund vier Milliarden in Übertragungsnetze und gut sechs Milliarden in Verteilnetze. Das sei aber nur möglich, wenn der Regulator den Netzgesellschaften eine ausreichende Rendite für ihre Investitionen in Aussicht stelle, sagte Franz Strempfl, Geschäftsführer der Energienetze Steiermark GmbH. Der von der Regulierungsbehörde festgelegte gewichtete durchschnittliche Kapitalkostensatz dürfte um höchstens 0,3 Prozentpunkte gesenkt werden. (stro, 8.7.2016)

  • Die Auswirkungen eines Blackouts werden vielfach grob unterschätzt.
    foto: apa/lakruwan wanniarachchi

    Die Auswirkungen eines Blackouts werden vielfach grob unterschätzt.

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