In Deutschland wächst die Ablehnung von Flüchtlingen

7. Juli 2016, 14:48
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Die die Willkommenskultur begrüßende Minderheit ist in den vergangenen zwei Jahren noch kleiner geworden

Wien/Bielefeld – Eine Studie der Universität Bielefeld registriert in der deutschen Bevölkerung einen spürbaren Rückgang der positiven Haltung gegenüber Flüchtlingen. Für das Projekt Zugleich des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung wurden Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund zu ihrer Einstellung zum Thema Integration und Zusammenleben mit Migranten gefragt. Besonders auffällig: Menschen aus Zuwandererfamilien stehen der neuen Migration stärker ablehnend gegenüber als Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Die sogenannte Willkommenskultur hatte in Deutschland zwar nie eine Mehrheit; bereits 2013/2014 gaben ihr nur 39,5 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund ihre Zustimmung. Dieser Wert ist bis zum Jahreswechsel 2015/2016 noch weiter auf 32,3 Prozent gesunken.

Auf die Aussage "Ich freue mich darüber, wenn sich immer mehr Migranten in Deutschland zu Hause fühlen" antworteten im aktuellen Panel 43,3 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund mit "trifft zu". In der vorhergehenden Befragung vor zwei Jahren waren es noch 54,7 Prozent. Die Zustimmung zur "zunehmenden Vielfalt in der Gesellschaft" sank in dieser Gruppe von 47,2 Prozent auf 42,6 Prozent. Die "Zustimmung zu Etabliertenvorrechten", also Vorteilen für alteingesessene Bevölkerungsteile, wuchs hingegen im selben Zeitraum von 5,4 Prozent auf 16,4 Prozent.

Mehr Rechte für Alteingesessene

Der Aussage "Wer irgendwo neu ist beziehungsweise später hinzukommt, der sollte sich erstmals mit weniger zufrieden geben" lehnten 2013/2014 noch 52 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund ab. In der aktuellen Umfrage waren es nur mehr 32 Prozent. In derselben Gruppe sank die dezidierte Zustimmung zum Statement "Ich finde es gut, wenn Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, ihre kulturellen Wurzeln beibehalten" von 14 Prozent auf 8 Prozent. Rund ein Drittel aller Befragten beschuldigt Asylwerber des Asylmissbrauchs.

Insgesamt ist aber weiterhin eine Mehrheit in Deutschland der Meinung, dass die Zukunft des Landes durch Flüchtlinge nicht in Gefahr ist. Immerhin 36 Prozent der Deutschen ohne Mitgrationshintergrund sind aber mittlerweile der Meinung, dass die hohen Ankunftszahlen die Zukunft gefährden. Noch höher ist dieser Wert mit 38 Prozent nur bei den Einwohnern mit Migrationshintergrund. Für die Studie wurden im Auftrag der Mercator-Stiftung rund 2.000 Menschen im Alter von 18 bis 94 Jahren befragt, davon rund 400 Personen mit Migrationshintergrund. (mcmt, 7.7.2016)

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