Ronaldo und Bale standen im Mittelpunkt

Infografik7. Juli 2016, 13:20
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Die Stars wurden im ersten Halbfinale zwischen Portugal und Wales mit geradezu überwältigender Aufmerksamkeit bedacht

Im ersten Halbfinale der EURO standen einander mit Portugal und Wales zwei Teams gegenüber, die bei aller Unterschiedlichkeit in der Spielanlage eine unübersichtliche Parallele aufweisen: Wie nicht zuletzt die taktische Typologie der Begegnung zeigt, findet sich hüben (Ronaldo) wie drüben (Bale) je ein Spieler, auf den die Systeme individuell zugeschnitten zu sein scheinen.

Die herausragenden Werte der beiden Real-Madrid-Stars verweisen auf eine doppelte Fixierung – im Passspiel werden sie vom eigenen, im Zweikampf vom gegnerischen Team mit geradezu überwältigender Aufmerksamkeit bedacht.

Die Spielzüge, Pässe und Zweikämpfe werden codiert, statistisch und netzwerkanalytisch ausgewertet und interpretiert. Das Passnetzwerk bildet die Ballwege zu den drei wichtigsten Partnern jedes Spielers ab, die Kreisgrößen zeigen die Summe der Pässe.

Das Bild von den zwei Riesen, auf deren Schultern die Zwerge ihre Händchen nach den Sternen strecken, relativiert sich jedoch durch die in den Visualisierungen zutage tretende Leistung der jeweiligen Kollektive. Portugal hat sich im Verlauf des Turniers von einer aufgrund der zunächst selbstangemaßten Mitfavoritenrolle belächelten Truppe zu einem mit wachsender Selbstverständlichkeit die eigenen Stärken ausspielenden Ensemble entwickelt.

Mit der raschen Integration des Newcomers Renato Sanches ist im Offensivspiel eine Alternative aus dem Nichts aufgetaucht, die Ronaldos Wucht und Dynamik durch spielerische Unberechenbarkeit ergänzt. Die Mittelfeldachse Mario-Silva-Perreira bildet mit unspektakulärem wie hochkonzentriertem Auftreten gleichsam die infanteristische Basis für das Ronaldo-Nani-Maschinen-Ballett an der Strafraumfront.

Die Analysen werden von einer chronologischen Aufzeichnung des Spielverlaufs begleitet, die, in Abstände von fünf Minuten zerlegt, die Anzahl der Pässe und der Zweikämpfe der beiden Mannschaften veranschaulicht und so die Aktivitätskurve der Mannschaften am Ball und "am Mann" über die gesamte Spielzeit verdeutlicht.

Wales hatte gegen diese von Spiel zu Spiel kompakter auftretende Kompanie an diesem Abend das Nachsehen, konnte aber zumindest phasenweise andeuten, dass das eigene spielerische Programm aus mehr besteht als aus einem Superstar samt bemühter zehnköpfiger Hausmannskost.

Ashley Williams dirigierte das Spiel aus der Mitte der Dreierkette mit Umsicht und Präzision. Neben dem fein abgestimmten zentralen Mittelfeld (Ledley-Allen-King) war es vor allem der linke Flügel (Chester-Taylor), der im Spiel in die Spitze unermüdlich Kräfte freisetzte. (Helmut Neundlinger, 7.7.2016)

Die Grafik zur taktischen Typologie setzt die Rollen der Spieler ins Verhältnis zur Performance ihres Teams. Sämtliche Werte des Passspiels (x-Achse) bzw. des Zweikampfverhaltens (y-Achse) werden über den Wert 1 normalisiert. Die Anzahl der Pässe setzt sich aus gegebenen und angenommenen Pässen zusammen, die der Zweikämpfe aus aktiven, passiven, ungerichteten Zweikämpfen. Der Wert des Einzelspielers weist seine Position innerhalb der Gesamtperformance aus und verortet ihn in Bezug auf seine taktischen und spielerischen Aufgaben.

Analytikerinnen und Analytiker

FASresearch war bei den Weltmeisterschaften 2006, 2010 und 2014 sowie bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den STANDARD auch die laufende EURO in Frankreich.

Team: Harald Katzmair, Helmut Neundlinger, Ruth Pfosser, Andrea Werdenigg, Agnes Chorherr, Philipp Angermaier, Michael Schütz

fas-research.com

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