Album der Woche: Christian Fennesz & Jim O’Rourke

8. Juli 2016, 09:36
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Der österreichische Elektroniker Fennesz und der in Tokio lebende US-Musiker und Produzent O’Rourke werden sentimental

Der Albumtitel zitiert einen Song der US-Band Chicago aus dem Jahr 1982. Immerhin hegen beide Protagonisten relativ offen bekundete Vorlieben für gewöhnlich als käsig empfundenen Mainstream-Pop der Jahre ihrer späten Jugend. Der österreichische Elektroniker Christian Fennesz, dessen Album Endless Summer von 2001 einen ewigen Meilenstein im Genre bilden wird, und der in Tokio lebende US-Musiker und Produzent Jim O’Rourke veröffentlichen erstmals eine Duoarbeit. Gemeinsam mit Label-Chef Peter Rehberg von Editions Mego kommen die zwei Ausnahmekünstler zwar schon auf etliche Laptop-Arbeiten unter dem Namen Fenn O’Berg. Dieses Album allerdings scheint bei aller nachträglichen elektronischen Bearbeitung zweier jeweils eine Albumseite einnehmender Improvisationen vor allem mit elektrischen Gitarren entstanden zu sein.

editionsmego

Fennesz dürfte bei diesen tendenziell über weite Strecken Ambient-lastigen und zurückhaltend melodieseligen Tracks eher für die Verzerrungen zuständig gewesen sein. Bei O’Rourke, der solo sowohl als sensibler Softrock-Songwriter im Stil der frühen 1970er-Jahre unterwegs ist (zuletzt 2015 mit Simple Songs), als auch als ehemaliges Mitglied bei Sonic Youth gern im kollektiven Strafjazz wildert, regieren die sanfteren Töne – und neuerdings eine Pedal-Steel-Gitarre. Unter dem Motto "Keine Angst vor Sentimentalitäten" ergehen sich die zwei Herren sowohl in romantischem Wohlklang als auch in Lärmschüben. Es ist laut, dann wird es leise. Meistens ist es eher leise, kann aber laut werden. Kino im Kopf darf man nicht schreiben. Ins Kino gehen kommt auch selten vor. Es dürfte sich hier um eine der wesentlichen Elektronikarbeiten des Jahres handeln. (schach, Rondo, 8.7.2016)

  • Christian Fennesz & Jim O’Rourke – It’s Hard For Me To Say I’m Sorry (Editions Mego)
    cover: editions mego

    Christian Fennesz & Jim O’Rourke – It’s Hard For Me To Say I’m Sorry (Editions Mego)

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