Auf Kuh-Hintern gemalte Augen sollen Löwen abschrecken

7. Juli 2016, 08:45
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Erste Tests lassen vermuten, dass sich die Raubkatzen entdeckt fühlen und von einem Angriff absehen

Sydney/Gaborone – Es mag zunächst wie ein Schildbürgerstreich klingen, die ungewöhnliche Maßnahme scheint aber seine Wirkung tatsächlich nicht zu verfehlen – das zumindest behauptet ein australisches Forscherteam: Auf die Kehrseite gemalte Augenpaare könnten Rinder in Afrika vor Löwenattacken schützen. Ein erster Test in Botswana lieferte vielversprechende Ergebnisse.

Die Wissenschafter um Neil Jordan von der University of New South Wales in Sydney haben auch eine Theorie, warum das funktioniert: Anpirschende Löwen bekämen den Eindruck, sie seien bereits entdeckt und verzichteten auf einen Angriff.

foto: ben yexly/unsw
Wenn sich Löwen beobachtet fühlen – und sei es nur von einem Kuhhintern –, verzichten sie lieber auf eine Attacke.

Die Idee zu "iCow", wie er das Projekt nennt, sei ihm bei der Beobachtung eines Löwen gekommen, der sich einer Impala-Antilope näherte, erklärte Jordan. Als diese den Löwen bemerkte, habe der Räuber von ihr abgelassen. Löwen pirschen sich – bevorzugt im Rudel – an ein Beutetier heran und starten ihren Angriff, wenn sie ihm unbemerkt möglichst nahe gekommen sind. Sie können zwar schnell rennen, doch es mangelt den Großkatzen etwas an Ausdauer. Werden sie vom ausgewählten Beutetier früh entdeckt, verzichten Löwen eher auf die kräftezehrende Attacke.

Tiere mit Augen am Po überlebten

Die Forscher stempelten in einem ersten Versuch Augenkonturen auf die Hinterteile von etwa zwei Dritteln der 62 Tiere einer Rinderherde. Nach zehn Wochen waren drei der naturbelassenen Rinder von Löwen getötet worden – alle Tiere mit Augenpaar auf dem Po überlebten. Signifikant sind diese Daten freilich nicht, aber sie weisen immerhin auf einen möglichen Effekt hin. Die Wissenschafter wollen nun für weitere Tests erneut nach Botswana reisen. Sollte der Trick funktionieren, wären die Augenflecken eine kostengünstige Strategie gegen Löwenangriffe, denen bisher viele Rinder zum Opfer fallen.

foto: ben yexly/unsw
Die aufgestempelten Augen haben einen strengen Blick.

In der Natur bieten vermeintliche Augenpaare etlichen Arten Schutz vor Angreifern: Augenähnliche Muster auf Schmetterlingsflügeln lassen Vögel abdrehen. Auch auf die großen Augenflecken mancher Raupen fallen Fressfeinde herein. Bewährt haben sich Schein-Augen auch schon beim Menschen: In Indien tragen Waldarbeiter Masken mit Gesichtern auf dem Hinterkopf, um Tiger abzuschrecken. (APA, red, 7.7.2016)

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