Sport statt Wien: Ein Hockeyverein hilft sich selbst

6. Juli 2016, 19:12
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Als von der Stadt Wien die Subventionsabsage kam, sah sich die Hockeyabteilung des Traditionsvereins WAC im Prater auf sich selbst zurückgeworfen. Der Klub initiierte eine Fundraising-Aktion, um einen neuen, eigenen Kunstrasenplatz zu finanzieren

Wien – Rapid und die Austria, die von der öffentlichen Hand ja praktisch gar nicht gefüttert werden (Scherzerl), haben kürzlich durch Crowdinvestment siebenstellige Summen lukriert. Ja eh, Hut ab. Zumindest in der Relation werden die beiden großen Wiener Fußballklubs aber nun vom Wiener Athletiksport Club, kurz WAC, in den Schatten gestellt.

Die Hockeyabteilung des im Prater ansässigen Vereins hat aus der Not heraus eine Fundraising-Aktion hochgezogen, die ihresgleichen sucht. Die Not ist eine Platzmisere, die damit zu tun hat, dass Landhockey seit vielen Jahren nur noch auf Kunstrasen gespielt wird. Der WAC hat keinen eigenen Kunstrasenplatz, weicht für Spiele meistens ins nahe, ebenfalls im Prater liegende Hockeystadion aus. Trainiert wird auch auf diversen Plätzen in ganz Wien. Nun ist der Hockeysport am Boomen, viele Klubs verzeichnen Zulauf, neben dem WAC etwa auch der HC Wien und der AHTC Wien, die als Betreiber des Hockeystadions vermehrten Eigenbedarf anmelden, weshalb der WAC wohl ausziehen muss. Daraufhin haben Klubmitglieder den "WAC Funders Club" gegründet, um einen eigenen Kunstrasenplatz zu finanzieren.

Private Spenden über 256.000 Euro

Bis Ende Juli hat sich der WAC Zeit gegeben, 500.000 Euro aufzustellen. 426.000 Euro sind bereits zusammengekommen. Der WAC-Dachverein (100.000), die WAC-Hockeysektion (40.000) und der Wiener Hockeyverband (30.000) haben sich starkgemacht, vor allem aber wurde privat gespendet (256.000 Euro). So die halbe Million steht, soll im Herbst der Spatenstich erfolgen. Die Kosten bezeichnet Fabian Ringler, WAC-Mitglied und Vizepräsident des Hockeyverbands (ÖHV), als "vergleichsweise wirklich gering". Das Kunstrasenfeld soll auf der Fläche des ehemaligen "kleinen Praterstadions" errichtet werden. Bis in die 60er wurde dort vor bis zu 20.000 Zusehern gekickt, jetzt ist auch das Spielfeld kaum noch in Verwendung.

Bemerkenswert ist, dass der WAC ohne öffentliche Gelder auskommen muss. Einer Subvention durch die Stadt und den Bund waren die Klubverantwortlichen jahrelang nachgelaufen, heuer im Frühjahr kam die endgültige Absage der Stadt. Begründung: Der WAC-Platz gehöre dem Bund, und da könne/wolle die Stadt nicht in Infrastruktur investieren. Der WAC war auf sich selbst zurückgeworfen, besser gesagt: die Hockeyabteilung des WAC, der ja in erster Linie ein Tennisverein ist. Von mehr als tausend WAC-Mitgliedern spielen aber immerhin ungefähr 250 Hockey. Speziell im Nachwuchsbereich ist der WAC gut aufgestellt, es gibt einen "Hockey-Kindergarten" (quasi U6) sowie viele Mädchen-, Buben- und gemischte Teams.

Im Leistungssport ist Österreichs Hockey recht nah an der Spitze dran, in der Halle (nicht olympisch) sowieso, doch auch auf dem Feld macht man Fortschritte. Ziel des Männer-Nationalteams ist die Olympia-Qualifikation 2020. Wird der Traum Wirklichkeit, so wäre Österreich erstmals seit 2000 und den Handballerinnen mit einem Team bei Sommerspielen vertreten.

Ein neuer Platz im Prater, der gemeinsam mit dem Hockeystadion fast schon ein Leistungszentrum bilden würde, könnte auch dafür die Basis sein. (Fritz Neumann, 7.7.2016)

  • Auch Benjamin Stanzl, Legionär in Holland, hat WAC-Wurzeln. Österreichs Hockeystar half mit einer Autogrammstunde.
    foto: apa/fohringer

    Auch Benjamin Stanzl, Legionär in Holland, hat WAC-Wurzeln. Österreichs Hockeystar half mit einer Autogrammstunde.

  • Plan der zukünftigen Anlage mit Naturrasen, Kunstrasen und Tennisplätzen.
    foto: wac

    Plan der zukünftigen Anlage mit Naturrasen, Kunstrasen und Tennisplätzen.

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