Wie die Onomastik tickt

6. Juli 2016, 18:35
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Die Namen der deutschen Kicker lassen auf den Charakter schließen

No jokes on names! Das muss man Prof. Dr. Jürgen Udolph natürlich nicht sagen. Prof. Dr. Jürgen Udolph ist Deutschlands bekanntester Onomastiker. Onomastik kommt aus dem Griechischen und bedeutet Namenkunde. Denn so gut wie jeder Name hat ja Herkunft, Struktur und Entwicklung.

"Nomen est omen" heißt es oft, und daran hat sich auch Prof. Dr. Jürgen Udolph vom Zentrum für Namenforschung in Leipzig gehalten, als er gefragt wurde, wie denn die deutschen Chancen auf den EM-Titel stünden. Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum – die Chancen stehen ausgezeichnet. Prof. Dr. Jürgen Udolph ist überzeugt davon, dass die Namen auf den Charakter schließen lassen. Natürlich ist es schade, dass ausgerechnet Khedira am Donnerstag gegen Frankreich fehlt. "Sein Nachname stammt vom arabischen 'al-Qadir' ab, einem von 99 Beinamen Allahs", sagt Prof. Dr. Jürgen Udolph, "der bedeutet 'der zu allem Fähige' oder 'Besitzer aller Macht und Autorität'." Der Name Kroos geht auf das mittelniederdeutsche "krôs" zurück, bedeutet Kanne, Krug oder Trinkgefäß. Und das passt schon, weil Kroos beim WM-Triumph 2014 laut brasilianischen Medien als "Garçon" (Kellner) seine Teamkollegen mit Pässen bediente.

Özil leitet sich vom türkischen "Özel" ab, das "speziell" meint. Löw weist auf "Löwe" nicht bloß hin, sondern ist laut Prof. Dr. Jürgen Udolph "eine Kurzform von Löwe". Schweinsteiger macht es auch dem Onomastiker nicht leicht. "Schwein-steige bezeichnet im Mittelhochdeutschen den Schweinestall", sagt Prof. Dr. Jürgen Udolph. Schweinsteiger kann so oder so toll kicken. Es wird nicht einfach für die "Grande Nation". (Fritz Neumann, 6.7.2016)

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    foto: apa/stollarz
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