Stilrebellen: Vetements und Brioni bürsten Mode gegen den Strich

6. Juli 2016, 17:30
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Viele Labels präsentieren ihre Mode rund um die Couture-Schauen: Wie Vetements und Brioni die Mode gegen den Strich bürsten.

Den Durchblick hat kaum einer mehr. Präsentationen exklusiver Juwelen während der Couture-Woche? Das war schon immer so. Mittlerweile zeigen aber auch viele Modehäuser ihre kommerziell wichtigen Cruise-Kollektionen rund ums erste Juli-Wochenende in Paris. Sei es in Form einer Modeschau wie etwa Hermès oder aber – wie Miu Miu – in Form einer Party, auf der dann Kate Moss hinter dem Plattenteller und Marc Jacobs auf der Tanzfläche steht. Die größte Aufmerksamkeit neben den Haute-Couture-Schauen galt diesmal aber dem Pariser Guerilla-Label Vetements und dem italienischen Nobelschneider Brioni, und zwar beiden aus demselben Grund: Sie bürsten die Mode so richtig gegen den Strich.

foto: apa/afp/francois guillot, reuters/ benoit tessier

Vetements ist ein Kollektiv rund um den Designer Demna Gvasalia, das Streetwear mit dem Erbe des großen Konzeptualisten Martin Margiela vermischt. Die Models nachtclubblass, die Proportionen verrutscht, die T-Shirt-Aufdrucke schreiend, der Hype riesig. Ein Ritterschlag, wenn man eine Einladung zur Präsentation der kommenden Frühjahrskollektion in der Galerie Lafayette ergatterte. Dort zeigte Vetements 54 Frauen- und Männer-Looks, bei denen alles ein bisschen anders war.

Demna Gvasalia und sein Bruder Gurum (er kümmert sich um alles außer das Design) kooperierten nämlich mit 17 anderen Brands, vom Stiletto-Spezialisten Manolo Blahnik bis zum Jeans-Giganten Levi’s. Warum etwas erfinden, was andere Marken besser können, fragte man sich bei Vetements und griff auf deren ikonische Produkte zurück. Sie wurden zerrissen oder besprüht, ihre Proportionen verändert oder gleich neu zusammengesetzt. Das Label bekannt, die Ästhetik aber aufregend anders.

Von Brioni war übrigens ein klassischer Anzug dabei. Genau dafür steht der italienische Nadelstreifspezialist, der in den vergangenen Jahren am ehesten durch gut verarbeitete Langeweile auffiel. Mit dem Engagement des australischen My-Theresa-Einkäufers Justin O’Shea ist es damit vorbei.

foto: brioni

Statt in Mailand während der Herrenmodewoche zeigte der neue Kreativdirektor seine erste Kollektion während der Couture, für die Kampagne engagierte er statt der üblichen Milchbubis die schweren Jungs von Metallica, und statt ewiger Vorlaufzeiten gab es die Outfits am Tag nach der Präsentation bereits zu kaufen.

foto: brioni

Und die Mode? Die schaute ein bisschen so aus, als ob sich der muskelbepackte und hübsch tätowierte O’Shea in sein Spiegelbild verliebt hätte. Beschlagene Stiefeletten, offene Seidenhemden mit viel Brusthaar, schmale caramelfarbene Anzüge, getönte Brillen und dazu ein bodenlanger Chinchillamantel. Ein paar Frauen schickte O’Shea übrigens auch auf den Laufsteg. Es wird nicht die letzte Überraschung beim Herren modetraditionalisten gewesen sein. (hil, 6.7.2016)

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