Das Indie-Game der Woche: "Furi"

16. Juli 2016, 11:00
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Der französische Bossfight-Marathon bietet höllisch schwere Kämpfe in einer grafisch einzigartigen Welt

Französische Kulturprodukte haben oft einen gewissen Exotenfaktor, und bei Computerspielen ist das nicht anders: von den Meisterwerken eines Éric Chahi ("Another World", "Fade to Black") und den bizarren Spieleklassikern von ERE Informatique über Quantic Dreams filmische Thriller bis hin zu sperrigen Hochglanzspielen wie "Remember Me". Das soeben erschienene "Furi" (Windows, PS4; 24,99 Euro) reiht sich in die Tradition französischer Unikate ein – im positiven wie im negativen Sinn.

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Video: Der Launch-Trailer zu "Furi"

Ausbruch mit Duellen

Als geheimnisvoller Kämpfer müssen Spielerinnen und Spieler aus einem interdimensionalen Gefängnis ausbrechen. Im Weg stehen dabei allerdings die Wächter, eine Reihe von mächtigen, ganz unterschiedlichen Bossgegnern. Der Kampf gegen diese, von "Afro Samurai"-Schöpfer Takashi Okazaki außergewöhnlich gestalteten Widersacher macht dabei den Hauptteil von "Furi" aus. Wie der Indie-Hit "Titan Souls" übernimmt auch das französische Spiel die adrenalintreibenden Bosskämpfe im Stil von "Dark Souls" als zentrales Element, in dem mit Schwert, Pistole und viel Akrobatik ein Duell in mehreren, teils ganz unterschiedlichen Phasen gemeistert werden muss.

Diese Kämpfe sind ebenso abwechslungsreich wie das Figurendesign und fordern auch abgebrühte Joypad-Akrobaten heraus – phasenweise wandeln sich die Konfrontationen von taktischen Nahkämpfen in Bullet-Hell-artige Geschicklichkeitsprüfungen. Im normalen Schwierigkeitsgrad kann so ein Kampf schon mal eine schweißtreibende Viertelstunde oder mehr beanspruchen; vorausgesetzt, man überlebt so lange. Im einfacheren "Promenade Mode" sind die stets fairen, aber höllisch schweren Kämpfe hingegen leider so drastisch verkürzt, dass sich keine rechte Befriedigung über einen Sieg einstellen will. Wer "Furi" richtig erleben will, sollte also etwas Skill und Durchhaltevermögen mitbringen.

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Video: Der Gameplay-Trailer zu "Furi"

Einzigartige Ästhetik

Zwischen den fordernden Kämpfen gilt es, die fantasievoll-absurde Welt des Spiels zu durchqueren – die leider arg leblos geraten ist. Mit quälend langsamen Schritten spaziert der Held durch zugegeben beeindruckende Landschaften, während ihm ein mysteriöser Begleiter Schritt für Schritt die Hintergrundgeschichte erzählt. Zum Glück lässt sich der ermüdend ereignisarme Spaziergang zwischen den Arenen durch Tastendruck automatisch absolvieren. Schade um die schöne Welt, denn nicht nur das Design der Gegner, sondern auch der gesamten Welt ist spektakulär geraten, wozu auch der originelle Grafikstil seinen Teil beiträgt: Immer wieder hat man das Gefühl, in eine der Comicwelten des legendären Künstlers Jean Giraud alias Moebius geraten zu sein. Auch der Soundtrack, der von namhaften elektronischen Musikern beigesteuert wurde, weiß zu begeistern und wäre auch im Clubkontext nicht fehl am Platz – Reinhören zahlt sich aus.

Grafisch spektakulär, mit tollem Sound, originellen Ideen und fairem, aber wirklich schwerem Gameplay ausgestattet, ist "Furi" trotz stellenweiser Selbstverliebtheit etwas ganz Besonderes. Freunde harter Spiele findet in "Furi" eine motivierende, ästhetisch außergewöhnliche Herausforderung. (Rainer Sigl, 16.7.2016)

"Furi" ist für Windows-PC und PS4. UVP: 24,99 Euro. Die PS4-Ausgabe ist im Juli gratis für PS-Plus Kunden.

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