Investitionslust der Österreicher steigt

6. Juli 2016, 13:36
posten

Vertrauen in Politik eher gering

Wien – In Österreich gibt es einen deutlichen Aufwärtstrend bei der privaten Investitionslust, das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Politik ist aber eher gering, geht aus einer Umfrage des Linzer market-Instituts hervor. 20 Prozent der Befragten wollen "auf jeden Fall" größere private Investitionen im nächsten Halbjahr oder Jahr tätigen, zu Beginn des Jahres lag dieser Wert nur bei 7 Prozent.

Das market-Institut hat zwischen 16. und 20. Juni 800 Online-Interviews in der österreichischen Bevölkerung von 16 bis 70 Jahren durchgeführt. Für 78 Prozent der Interviewten sind größere Reformen in Österreich nötig, bei den bis 29-Jährigen sind es sogar 86 Prozent. Kleinere Korrekturen sind für 17 Prozent ausreichend und 5 Prozent haben zur Notwendigkeit von Reformen keine Meinung.

"Regierung hat Vertrauen verspielt"

Das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Bundesregierung und Landesregierungen, etwa im Wirtschaftsbereich, ist eher gering. Der aktuellen Bundesregierung wird nur von 38 Prozent der Befragten zugetraut, auf jeden Fall oder eher schon einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Herausforderungen Österreichs zu leisten. Den Bundesländern wird mit 36 Prozent noch etwas weniger Lösungskompetenz zugetraut, bei den Sozialpartnern liegt dieser Wert bei 48 Prozent. "Leider hat die Regierung viel Vertrauen verspielt. Das würde mich aufs höchste alarmieren", sagte der Linzer Ökonom und Schwarzarbeitsexperte Friedrich Schneider bei der Präsentation der Umfrage am Mittwoch in Wien.

Starke Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs haben laut Aussage der Befragen der bürokratische Aufwand der Bundesregierung und der Ministerien (51 Prozent), der bürokratische Aufwand der Landesregierungen (49 Prozent), der Einfluss der politischen Parteien (44 Prozent). Geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit haben die Sozialpartnerschaft (14 Prozent), Schwarzarbeit (13 Prozent) und die Ausstattung mit Infrastruktur (10 Prozent). Jeder vierte Befragte berichtete Schwarzarbeit zu nutzen, überwiegend in der Höhe von bis zu 500 Euro. Für den Ökonomen Schneider ist die Schwarzarbeit in Österreich mit einem Volumen von 12 Mrd. Euro jährlich "eine stabile Konjunkturstütze", weil Einnahmen aus der Schwarzarbeit gleich wieder in den Konsum fließen würden. Ohne Pfusch würden auch zwei Drittel der Leistungen nicht nachgefragt werden. Die Österreicher zeigen bei Schwarzarbeit aber nur ein sehr geringes Unrechtsbewusstsein: "Wenn man Pfuscher erwischt, sollte man für diese hohe Geldstrafen verhängen" und "ich würde einen Pfuscher anzeigen" bejahten nur knapp 5 Prozent der Befragten.

Für market-Institutsleiter Werner Beutelmeyer ist ein Ergebnis der Umfrage, dass die "Heilige Kuh" Föderalismus von der Politik hinterfragt werden muss und das "unwürdiges Ping-Pong" Spiel zwischen Ländern und Bund eine Ende finden sollte. Die Rückgewinnung des Vertrauens, könne aber nur durch weniger Partei- und Klientelpolitik und mehr Veränderungs- sowie Gestaltungsbereitschaft erreicht werden. Die Bevölkerung sei nicht an "billigen Populismus" im Form von gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Ländern, Bund und EU interessiert, sagte der Meinungsforscher. (APA, 6.7.2016)

Share if you care.