Inder löst VW-Chef als Top-Verdiener ab

6. Juli 2016, 12:18
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Mit einem Jahressalär von 17,8 Millionen Euro hängt Rakesh Kapoor von Reckitt Benckiser 2015 den zurückgetretenen Martin Winterkorn ab

Wolfsburg – Der Inder Rakesh Kapoor ist der bestbezahlte Vorstandschef eines europäischen Großkonzerns. Der Lenker des britischen Konsumgüterkonzerns Reckitt Benckiser löste nach einer Studie der Vergütungsberatung hkp 2015 den zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn ab, der die Rangliste in den Jahren davor angeführt hatte.

Der 57-jährige Kapoor kam nach den Expertenberechnungen auf ein Gehalt von 17,8 Mio. Euro, auf den Plätzen folgen Carlos Brito von der Brauerei Anheuser-Busch (14,2 Mio. Euro) und Severin Schwan, der beim Schweizer Pharma-Konzern Roche 14,1 Mio. Euro bekam. Der bestbezahlte Vorstandschef im DAX kam 2015 erneut aus der Autoindustrie. Daimler-Chef Dieter Zetsche liegt mit 9,6 Mio. Euro europaweit aber nur auf Platz elf.

Briten und Schweizer top

Die Vergütungsexperten von hkp hatten die Gehälter von Vorstands- und Aufsichtsratschef der 76 größten börsennotierten Unternehmen in Europa unter die Lupe genommen, darunter 14 aus Deutschland. Acht der zehn Top-Verdiener arbeiten für britische und Schweizer Konzerne. Für hkp-Partner Michael Kramarsch kommt das nicht überraschend. "Das sind die Länder, die am intensivsten über den Atlantik blicken", sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist allerdings fraglich, ob die Briten nach dem Brexit ihre Spitzenposition halten können." Im Dow-Jones-Index der 30 größten US-Konzerne führte 2015 Walt-Disney-Chef Robert Iger mit umgerechnet 38 Mio. Euro. Der Durchschnittsverdienst der US-Konzernbosse liegt bei 15 Mio. Euro, vor allem weil die Boni dort 90 Prozent der Vergütung ausmachen. Die Fix-Vergütungen in Europa sind laut hkp im Schnitt sogar höher als in den USA.

Die Vorstandschefs der 14 deutschen Top-Unternehmen liegen im Schnitt bei 5,1 Mio. Euro und damit unter dem Mittel im Europa (6,5 Mio.). "Deutschland ist vom europäischen Niveau nicht weit weg – aber in Europa schauen alle staunend auf die USA", sagte Kramarsch.

Vergütungen nehmen zu

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Vergütungen der führenden Konzern-Chefs in Europa um knapp zehn Prozent gestiegen, während die Nettogewinne um 18 Prozent schrumpften. Kramarsch sieht den Grund darin, dass die Gehälter bei schlechten Geschäftszahlen weniger stark sinken als sie bei guten steigen. Im Fünf-Jahres-Vergleich verdienten die Firmenchefs der Studie zufolge aber nur sechs Prozent mehr – das ergibt eine jährliche Steigerung von gerade 1,4 Prozent.

Bei den Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratschefs klaffen die Vergütungs-Unterschiede weiter auseinander als im Vorstand. Der Spitzenreiter, Nestle-Verwaltungsratschef Peter Brabeck-Letmathe, lag 2015 bei 6,1 Mio. Euro, sein Kollege Georges Plassat kam beim französischen Einzelhändler Carrefour auf 52.000 Euro. Die ersten fünf Plätze werden von Konzernen aus der Schweiz besetzt. "Dass das Amt als Verwaltungsratschef dort als Full-Time-Job gilt, kann das nur teilweise erklären", sagte Kramarsch. (APA/Reuters, 6.7.2016)

  • Reckitt Benckiser stellt unter anderem Calgon her.
    foto: ap/sascha schuermann

    Reckitt Benckiser stellt unter anderem Calgon her.

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