Kadyrow gibt Österreich Mitverantwortung an Anschlag in Istanbul

6. Juli 2016, 11:46
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Tschetscheniens Präsident: "Tschatajew hat Russland als normaler Bandit verlassen, in Österreich, Georgien und der Türkei wurde er zum Terroristen erzogen"

Istanbul/Moskau/Wien – Ramsan Kadyrow, Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, hat am Dienstag im sozialen Netzwerk Instagram den Fall eines gebürtigen Tschetschenen und ehemaligen Asylwerbers in Österreich kommentiert, den Medien zuletzt als möglichen Organisator des Anschlags auf den Istanbuler Flughafen genannt hatten. Für die "Karriere" von Achmed T. macht Kadyrow Österreich mitverantwortlich.

"T. hat Russland als normaler Bandit verlassen, in Österreich, Georgien und der Türkei wurde er zum Terroristen erzogen", schrieb Kadyrow über den 1980 geborenen Achmed T., der 2003 als politischer Flüchtling nach Österreich gekommen war und Asyl bekommen hatte. Mithilfe von Geheimdiensten, so Kadyrow, habe T. in Österreich große Summen für den international bekannten Terroristenanführer Chussejn Gakajew gesammelt, der seinerseits hunderte Menschenleben auf dem Gewissen habe.

Der 2013 bei Kampfhandlungen in Tschetschenien getötete Gakajew war ein wichtiger Kommandant der islamistischen Terrororganisation "Emirat Kaukasus", T. selbst galt lange Zeit als Europarepräsentant des ebenso 2013 getöteten Anführers dieser Gruppierung, Doku Umarow.

Mehrere Festnahmen

Der tschetschenische Präsident verwies in seiner Mitteilung auf zwischen 2008 und 2012 erfolgte Festnahmen von Achmed T. in Schweden, der Ukraine, Bulgarien und Georgien sowie die Tatsache, dass er dabei jeweils einer Auslieferung nach Russland entkommen konnte. Seit 2013 sei er nun in der Türkei und in Syrien und türkische Geheimdienste hätten zwangsläufig gewusst, womit er sich beschäftige, erklärte Kadyrow.

"Ausgehend vom Wunsch, Russland zu ärgern, haben westliche, georgische und andere Geheimdienste T. erzogen und wenn er an den Ereignissen in Istanbul beteiligt sein sollte, müssen sie auch dafür die Verantwortung tragen und nicht in Richtung Tschetschenien blicken", schrieb Kadyrow, der von der Türkei zudem die Auslieferung von 12 namentlich genannten Tschetschenen verlangte.

Türkische Behörden hatten in vergangenen Jahren im Land lebende Islamisten aus dem russischen Nordkaukasus, darunter auch aus Tschetschenien, kaum behelligt. Nach Medienberichten hatte die türkische Polizei im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf den Istanbuler Flughafen von letzter Woche nunmehr zumindest 11 Staatsbürger der Russischen Föderation festgenommen.

Flüchtlingsstatus verloren

Kadyrow bezeichnet in seinem Text Achmed T. auch als österreichischen Staatsbürger, was nach APA-Recherchen nicht den Tatsachen entspricht. Nach Angaben informierter Gesprächspartner hat T. zwischenzeitlich zudem seinen Flüchtlingsstatus in Österreich verloren. Laut einem der APA vorliegenden Dokument der georgischen Justiz war er allenfalls 2012/2013 in Georgien unter dem Namen David Mayer aufgetreten, den er in Österreich offiziell angenommen hatte. Nach seiner Freilassung in Tbilisi Anfang 2013 dürfte T. lediglich für kurze Zeit nach Österreich zurückgekehrt sein.

Laut Angaben eines Vertreters der tschetschenischen Community wurde er nunmehr seit längerem in Österreich nicht mehr gesehen. Nach einer Zwischenstation in der Türkei soll er sich zuletzt im syrischen Raqqa aufgehalten haben, einer Hochburg des "Islamischen Staates". Dass T. wirklich hinter dem Istanbuler Terroranschlag steht bezweifelt der tschetschenische Gesprächspartner der APA, der den ehemaligen Asylwerber vom Sehen kennt: "Sollte er verletzt werden, kann er aus Syrien nur in die Türkei kommen. Es wäre nicht in seinem Interesse, einen solchen Terroranschlag zu organisieren."

Prominente Vertreter des tschetschenisches Exils, darunter der in Großbritannien lebende Achmed Sakajew, hatten ihrerseits in den vergangenen Tagen Russland beschuldigt, hinter dem Terroranschlag von Istanbul zu stehen. (APA, 6.7.2016)

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