Zentralmatura-Schulergebnisse könnten transparent werden

6. Juli 2016, 11:52
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Bildungsministerin Hammerschmid stellt Veröffentlichung in Aussicht – Voraussetzungen: Aufnahme ins Informationsfreiheitsgesetz und Kriterien für Vergleichbarkeit

Wien – Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) stellt die Veröffentlichung von Schulergebnissen bei der Zentralmatura nun doch in Aussicht. In der Aktuellen Stunde des Nationalrats am Mittwoch nannte sie dafür aber Bedingungen: Einerseits brauche es ein "vernünftige Rechtsgrundlage" im kommenden Informationsfreiheitsgesetz, andererseits müssten Vergleichbarkeitskriterien entwickelt werden.

Für die Debatte im Nationalrat hatten die Grünen gesorgt, die die Aktuelle Stunde in Anspielung auf ein Zitat der Ministerin unter den Titel "Schulangst, Prüfungsstress, Zentralmatura – so what?" stellten. Hammerschmid verteidigte dieses "so what?" in Bezug auf das diesjährige Abschneiden der Maturanten. Es sei "durchaus akzeptabel und ein gutes Ergebnis" gewesen, auch im internationalen Vergleich. Dass es zum Teil "recht schlechte" schriftliche Mathematik-Ergebnisse gab, räumte die Ministerin ein. "Ja, wir müssen hinschauen, das ist überhaupt keine Frage."

Kompetenzcheck

Durch die Zentralmatura, die heuer erstmals über alle Schultypen hinweg vorgenommen wurde, könne man nun bis auf die Ebene der Klassen analysieren, präzisieren und mit den Lehrern arbeiten. Es werde dann Maßnahmen von der schulinternen Fortbildung über Kompetenzchecks bis zu Förderkursen geben. Dass man Schulergebnisse nicht "einfach so" veröffentliche, verteidigte sie. Es brauche eine Rechtsgrundlage, "die haben wir im Moment nicht". Ändern könnte sich das laut Hammerschmid im Herbst, denn im Zuge des Informationsfreiheitsgesetzes könne man dies "mitführen". Ihre zweite Voraussetzung: "Wir brauchen eine gemeinsame Vorstellung, was wir in welcher Form veröffentlichen wollen, dass es wirklich Nutzen bringt."

Es müssten viele Faktoren berücksichtigt werden, etwa familiäre Hintergründe, die Frage von Deutsch als Erstsprache, die Größe der Schule und andere standortbedingte Kriterien. Sie rief die Bildungssprecher der Fraktionen dazu auf, hier mitzuarbeiten. Auch einen Beirat zur Einbindung der Betroffenen stellte sie in Aussicht.

"Schule ohne Angst"

Für die Grünen hatte Klubchefin Eva Glawischnig einleitend für eine "Schule ohne Angst" plädiert. Durch die "desaströs" umgesetzte Zentralmatura sei dies nicht verwirklicht worden. Erneut verlangte sie eine Kommission, die sich Unterschiede zwischen den Standorten, aber auch zwischen Buben und Mädchen ansehen sollte. Walter Rosenkranz (FPÖ) wandte sich gegen das Schlechtreden des Bildungssystems. "Vielleicht ist nicht alles schlecht; vielleicht ist es nur die SPÖ-Bildungspolitik der letzten zehn Jahre unter stiller Duldung der ÖVP." Das System sei jedenfalls nicht gerechter geworden.

Eine umfassende Weiterentwicklung des Bildungssystens verlangte NEOS-Klubchef Matthias Strolz. Die angeborene Lust am Lernen müsse kultiviert und entfaltet werden. Robert Lugar (Team Stronach) forderte erneut die "kostenlose Privatschule für alle". Seitens der Regierungsfraktionen nahm Elisabeth Grossmann (SPÖ) die Ministerin in Schutz. Der grundlegende Systemwandel sei von allen Beteiligten bravourös gemeistert worden. Brigitte Jank (ÖVP) sah Kritik zum Teil angebracht, etwa am Mangel an Vorbereitungsstunden. "Man muss mitlernen. Das wird auch mit nächstem Jahr nicht vorbei sein."

Neue Abgeordnete

Zu Sitzungsbeginn wurden drei Abgeordnete angelobt: David Lasar (FPÖ), bisher nicht amtsführender Stadtrat in Wien, rückte für den nach Kärnten abgewanderten Gernot Darmann nach. Neu in die FPÖ-Riege wurde auch Wolfgang Klinger (als Ersatz für Heinz-Peter Hackl) aufgenommen. Bei der SPÖ rutschte Klaus-Uwe Feichtinger wieder in den Nationalrat, nachdem sich Ex-Staatssekretärin Sonja Steßl Richtung Wiener Städtische Versicherung verabschiedet hat. (APA, 06.07.2016)

  • "Wir brauchen eine gemeinsame Vorstellung, was wir in welcher Form veröffentlichen wollen, dass es wirklich Nutzen bringt", sagt Ministerin Hammerschmid.
    foto: apa/jäger

    "Wir brauchen eine gemeinsame Vorstellung, was wir in welcher Form veröffentlichen wollen, dass es wirklich Nutzen bringt", sagt Ministerin Hammerschmid.

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