Exportmotor Elektronik brummt

5. Juli 2016, 18:05
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Ex-Staatssekretärin Ederer will Netze verstaatlichen

Wien – Der Exportmotor Elektro- und Elektronikindustrie brummt wieder. Der Produktionswert der Branche stieg im Vorjahr auf einen Rekordwert von 13,36 Milliarden Euro – das ist erstmals mehr als im Vorkrisenjahr 2008. Inklusive Dienstleistungen setzten die Elektroniker 15,68 Milliarden Euro im Ausland ab – das entspricht einer Steigerung um 4,1 Prozent, sagte Fachverbandsgeschäftsführer Lothar Roithner in der Jahrespressekonferenz am Dienstag. Auch die Zahl der Beschäftigten übersteigt mit 61.222 das Niveau des Boomjahres 2008.

Trotz Russland-Embargos, das die überwiegend aus Energietechnikanlagen bestehenden Ausfuhren in den Osten um 23,6 Prozent oder rund 154 Millionen Euro einbrechen ließ, gibt sich die Branche optimistisch: Alle Indikatoren deuteten auf zusätzliches Wachstum hin. Der Produktionswert im ersten Quartal stieg bei Verteilungs- und Schalteinrichtungen um 6,7 Prozent auf 255 Millionen Euro und bei elektrischen Ausrüstungen (inklusive Verkehr) gar um 47,3 Prozent. Selbst die stark zyklischen elektronischen Bauteile haben im Auftaktquartal unterm Strich ein kleines Plus von 1,4 Prozent. Hingegen seien die minus 15 Prozent in der Energiesparte (Motoren, Generatoren, Trafos) laut Roitner nicht aussagekräftig, weil ein Quartal im Kraftwerksbau ein zu kurzer Vergleichszeitraum sei.

Einen EU-Austritt Großbritanniens sieht Fachverbands-Obfrau Brigitte Ederer (ehemals Siemens-Österreich-Chefin) nicht unmittelbar als Bedrohung, langfristig sei die Wirkung aber nicht zu unterschätzen. Allein Österreichs Elektroindustrie exportierte ins Vereinigte Königreich im Vorjahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 435 Millionen Euro – knapp drei Prozent des Exportvolumens der Branche. Das Verhalten der Brexit-Befürworter geißelte Ederer als "Scharlatanerie" und "verantwortungslos", echauffierte sich die frühere EU-Staatssekretärin (SPÖ). Sie hoffe, "dass die Verhandlungen mit den Briten keine Rosinenpickerei werden".

Kritik übte Ederer einmal mehr an der Privatisierung der Telekom Austria und dem anstehenden Gas-Deal der OMV mit Gazprom. Angesichts der Digitalisierung der Wirtschaft ("Industrie 4.0"), die massive Investitionen in Netze erforderten, sei es unerlässlich, dass Netzinfrastruktur in öffentlicher Hand bleibe. Als Vehikel bringt die Ex-Siemens-Managerin eine staatliche Infrastrukturholding ins Spiel, die der Telekom die Festnetzinfrastruktur abkaufen könnte. Die 28,4 Prozent der Republik an der TA könne man quasi tauschen. An der Infra-Holding könnten sich private Investoren minderheitlich beteiligen, das sei angesichts niedriger Zinsen als Investment attraktiv. (ung, 6.7.2016)

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