Flashback: David Lynchs "Blue Velvet" – verstörend auch nach 30 Jahren?

11. Juli 2016, 07:00
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Im Sommer 1986 feierte "Blue Velvet" seine Kinopremiere und sorgte für Furore. 30 Jahre später gilt der Film als Klassiker und wirkt erstaunlich modern. Wie hat Ihnen "Blue Velvet" gefallen?

Stein des Anstoßes ist ein abgeschnittenes Ohr. Collegestudent Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) findet beim Aufenthalt in seiner Heimatstadt auf einer Wiese das menschliche Körperteil und liefert es bei der örtlichen Polizei ab. Was dann folgt, ist ein wahnwitziger Trip durch Nachtclubs und die Abgründe der menschlichen Psyche, in denen die masochistisch veranlagte Sängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini), Drogendealer und Wahnsinnger Frank Both (Dennis Hopper) und eine Polizistentocher (Laura Dern) die Hauptrollen spielen.

"Don't you fucking look at me!"

David Lynch, der heuer im Jänner seinen 70. Geburtstag feierte, zeigte in "Blue Velvet" schon mit einem Thema auf, das er vier Jahre später in der TV-Serie "Twin Peaks" detailreich durchdeklinieren sollte: Die Nähe von Perversion und Idylle. So sind es auch in "Blue Velvet" die Bilder der Vorstadt bisweilen kitschig, der Himmel extra blau und die Blumen extra frisch. Dass dient freilich nur dazu, die bizarre Gegenwelt zur doch auch nur vermeintlichen Idylle in umso grelleren Farben leuchten zu lassen. So gewaltsam einzelne Szenen sein mögen, so bizarr ist der ihnen innewohnende Humor.

"Blue Velvet" erschien in der Hochzeit der Reagan-Ära, einer Zeit, in der – wie das kanadische Magazin "Toronto Now" schreibt – es noch obszön erschien zu suggerieren, dass Sadisten und Masochisten vom Kaliber eines Frank Booth nebenan wohnten und Unschuld eine wertlose Tugend sei, wenn die dunkle Seite der Welt unbekannt bleibt.

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Auch ein Protagonist des Films: das Lied "Blue Velvet".

Von Farben, Formen und Mysterien

Jeder, der jemals versucht hat, "Mullholland Drive" oder "Impire Empire" zu verstehen, weiß um die Unmöglichkeit des Unterfangens. "Blue Velvet" ist deutlich stringenter erzählt, das Mysteriöse dennoch ständig vorhanden. Mit starker (Farb-)Symbolik durchwoben, lässt der Film eine hermetische Welt entstehen, in der alles – das Gute wie das Schlechte – gleichzeitig besteht, wie es in der "New York Times" anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums heißt.

Wie haben Sie den Film wahrgenommen?

Wenn du nicht dabei warst, kannst du kaum verstehen, was für ein Erdbeben Lynchs Meisterwerk auslöste – blickt "Toronto Now" auf den Film zurück. Gehören Sie zu diesen "Zeitzeugen" und erinnern sich an die Veröffentlichung von "Blue Velvet"? Wirkt der Film auch heute noch verstörend? Oder haben Sie den Film erst später gesehen? Wie ordnen Sie den Klassiker in Lynchs Œuvre ein? Welche anderen Werke Lynchs halten Sie für diskustierenswert? (jmy, 11.7.2016)

  • Kyle MacLachlan und David Lynch arbeiteten zuvor schon in "Dune" zusammen. Anfang der 90er-Jahre spielte McLachlan dann die Hauptrolle in der legendären TV-Serie "Twin Peaks", von der es 2017 eine Fortsetzung geben soll.
    foto: de laurentiis entertainment group

    Kyle MacLachlan und David Lynch arbeiteten zuvor schon in "Dune" zusammen. Anfang der 90er-Jahre spielte McLachlan dann die Hauptrolle in der legendären TV-Serie "Twin Peaks", von der es 2017 eine Fortsetzung geben soll.

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