Kindergartengesetz in Niederösterreich: Retrosichtweise

Kommentar5. Juli 2016, 17:59
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Die mangelnde Verantwortungsübernahme der öffentlichen Hand schafft soziale Probleme

Ein Aha-Erlebnis blüht Menschen, die beginnen, sich näher mit Organisation und Finanzierung der österreichischen Kindergärten zu beschäftigen. Denn abgesehen von Wien mit seinen Ganztags-Gratiskindergärten – und dem Burgenland mit seinem Ganztags-Rückerstattungsmodell – gilt in anderen Bundesländern wie schon seit ehedem: Öffentliche Kinderbetreuung ist ein Modell für wenige Stunden am Tag, das Geborgenheit und Erziehung im Schoße der Familie höchstens ergänzen darf.

Selbst das verpflichtende Kindergartenjahr, das zwar aus Anlass der Einwanderung, aber ebenso zur sprachlichen und sozialen Frühförderung des einheimischen Nachwuchses ins Leben gerufen wurde, wurde dieser Retrosichtweise untergeordnet. An dem Umstand nämlich, dass Eltern in manchen Bundesländern für den ganzen Tag und in den meisten für die Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder zahlen müssen, hat sich seit Jahren nur wenig geändert.

Das ist mangelnde Verantwortungsübernahme der öffentlichen Hand in einer Gesellschaft mit Ganztagsjobs und Teilzeitarbeitsbedingungen. Und es schafft soziale Probleme, wie nach der Gesetzesänderung in Niederösterreich zu befürchten ist. Wenn dort Eltern gezwungen sein sollten, als Bittsteller bei den finanziell für Kindergärten bald allein verantwortlichen Gemeinden vorstellig zu werden, so nur aus einem Grund: weil es keine Gratiskindergärten von früh bis abends in ganz Österreich gibt. (Irene Brickner, 5.7.2016)

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