Proteste gegen Stupa: Wiedehopf brütet für Bürgerinitiative

6. Juli 2016, 08:00
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Ein niederösterreichischer Verein will am Wagram ein buddhistisches Gebetshaus mit einer 19 Meter hohen Kuppel errichten. Der geplante Bau des Stupas führte zum wiederholten Male zu Anrainerprotesten – und Juristen zu der Frage, was eigentlich eine Kapelle ist

Wien – Er hat eine bunte Federhaube, sondert zur Abschreckung von Feinden ein übelriechendes Sekret ab und soll nun ein Bauprojekt in Niederösterreich verhindern: Ein Brutpaar des bedrohten und streng geschützten Wiedehopfs wurde auf jenem Grundstück entdeckt, auf dem am Wagram in Grafenwörth ein buddhistischer Stupa entstehen soll.

Nachdem die Bürgerinitiative "Rettet den Wagram", die seit Monaten gegen die Errichtung des Gebetshauses protestiert, vergangenen Freitag die Zufahrtsstraße zum Baugrund blockiert hatte, stehen die Maschinen nun vorerst still: Die Projektbetreiber vom Stupa-Institut – Mitglied in der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft -, "wollen die Vogelschutzgutachten abwarten", sagt Elisabeth Lindmayer, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins, zum STANDARD. Für die Unterbrechung habe man sich freiwillig entschieden. Ein Baustopp wurde seitens der Behörde nicht verhängt.

Laut Josef Wanek, Tullns stellvertretendem Bezirkshauptmann, werde man die sensible Brutzeit der Vögel abwarten und sich "in ein paar Wochen das Gebiet dann anschauen". Das Grundstück befindet sich zwar unweit eines geschützten Natura-2000-Gebietes, aber selbst nicht in einem solchen: Eine naturschutzrechtliche Prüfung sei deshalb nicht verpflichtend, sagt Wanek. Die Baubewilligung, die im Herbst 2015 von der zuständigen Behörde, dem Grafenwörther Bürgermeister Alfred Riedl (ÖVP), erteilt wurde, bleibt vom Wiedehopf unberührt: Sie ist nach wie vor aufrecht – und sorgt ebenfalls für Kritik.

Die Frage einer Kapelle

Das aus Spenden finanzierte "Friedensdenkmal" – so die Wortwahl der Initiatoren – mit einer Grundfläche von 765 Quadratmetern und einer Kuppelhöhe von rund 19 Metern soll auf einem Areal entstehen, das als Grünland gewidmet ist. Laut niederösterreichischem Raumordnungsgesetz darf dort der Bau von "Kapellen" bewilligt werden.

Für die Volksanwaltschaft, die von den Baugegnern eingeschaltet wurde, ist die Bewilligung zum Projekt – inklusive der Nebenanlagen wie Kfz-Stellplätze und Anschlüsse – nicht mit dem Gesetz verträglich. Denn es handle sich in dieser Dimension nicht um eine Kapelle. Die Empfehlung lautet: Bescheid aufheben.

Laut dem von Bürgermeister Riedl vor der Erteilung eingeholten Gutachten entschieden die Juristen, dass "Kapelle" nicht nach der Größe, sondern nach "Funktion und Ritus" zu definieren sei. Demnach sei das geplante Projekt mit einer Kapelle vergleichbar. Zudem habe die übergeordnete Behörde, das Land Niederösterreich, die Empfehlung der Volksanwaltschaft behandelt und dabei Riedls Bescheid aufrechterhalten.

Volksbefragung in Gföhl

Für das Stupa-Institut ist das Grundstück am Wagram, das von Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann privat angekauft und zur Verfügung gestellt wurde, nicht der erste geplante Standort für das Bauwerk. Ursprünglich hätte es im niederösterreichischen Gföhl entstehen sollen. Dort ließ es die Wogen derart hochgehen, dass die Gföhler Stadt-FPÖ die Koalition mit der ÖVP, die sich touristische Impulse von dem Stupa versprach, platzen ließ. Bei einer Volksbefragung im Februar 2012 lehnten schließlich zwei Drittel der Gföhler den Bau ab.

Alfons Adam, Gründer der Partei Die Christen, musste sich später vor Gericht wegen Verhetzung verantworten. Er hatte vor der Befragung Flugblätter autorisiert, die den Buddhismus in die Nähe von Pädophilie und Nationalsozialismus rückten. Nach Berufung beim Oberlandesgericht Wien wurde er wegen Herabwürdigung religiöser Lehren rechtskräftig zu einer Strafe von 2700 Euro verurteilt. (Christa Minkin, 6.7.2016)

  • Tauben, keine Wiedehopfe, umschwärmen den Boudhanath-Stupa in Kathmandu. Am Wagram soll ein ähnlicher Kultbau entstehen.
    foto: ap photo / niranjan shrestha

    Tauben, keine Wiedehopfe, umschwärmen den Boudhanath-Stupa in Kathmandu. Am Wagram soll ein ähnlicher Kultbau entstehen.

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