Ein Werkzeugkasten für den Radtourismus

8. Juli 2016, 12:36
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Im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts werden Angebote gemeinsam mit Radfahrern entwickelt

Krems – Der Fahrradtourismus erlebt nicht zuletzt dank des E-Bike-Booms eine anhaltende Konjunktur. Gerade für strukturschwache Gegenden bietet sich eine Chance, Kulturstätten, Gastronomie und Beherbergungswirtschaft zu beleben. Um entsprechende Angebote zu erarbeiten, lohnt es sich, jene Menschen zu befragen, die am meisten über die Vorlieben und Bedürfnisse der Spezies Fahrradtourist wissen – nämlich die Fahrradfahrer selbst.

Das Forschungsprojekt "EuBike", das vom Lifelong Learning Programme der Europäischen Kommission finanziert wird, zapft genau dieses Wissen der Fahrradfahrer an, um touristische Angebote zu gestalten. Forschungspartner aus Italien, England, der Schweiz, Deutschland und Österreich arbeiten zusammen, um Methodiken und Informationsplattformen zu erarbeiten, die einer regionalen Tourismuswirtschaft helfen, die richtigen Schritte zu unternehmen. Gemeinden und Unternehmer sollen ein Werkzeugset in die Hand bekommen, das ihr Engagement im Radtourismus in strukturierte Bahnen lenkt.

Eine Pilotregion fand man im nördlichen Waldviertel an der niederösterreichisch-tschechischen Grenze. "Unsere Wahl fiel auf den Zukunftsraum Thayaland, ein überschaubares Zielgebiet, das sich gerade entwickelt", erklärt Walter Grassl, Studiengangsleiter Bachelor Tourism and Leisure Management an der IMC Fachhochschule Krems, dem österreichischen Projektpartner. In der Region wurden aufgelassene Bahntrassen in den Radweg der Thayatalrunde verwandelt: eine grenzüberschreitende Strecke in Österreich und Tschechien, die die Radler von Dorf zu Dorf führt.

Gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort wurden die informationstechnologischen Werkzeuge, die im Projekt entwickelt wurden, getestet und für eine langfristige Nutzung adaptiert. Dazu gehört die "eDucational Box", eine Bildungsplattform für Tourismusanbieter vom Beherbergungsbetrieb über den Radverleih bis zur Jausenstation, die Informationen für die Produktentwicklung und das Marketing bereitstellen soll.

Österreich weit entwickelt

"Österreich ist touristisch schon relativ weit. In vielen anderen Regionen Europas gibt's aber noch gar nichts im Bereich Radtourismus", erläutert Grassl. Gerade hier soll das Bildungstool besonders hilfreich sein. Eine E-Marketing-Plattform soll den Betrieben die Möglichkeit geben, sich und ihr Produkt online zu präsentieren.

Ein Kernelement des Projekts ist eine App, die die Fahrradfahrer selbst miteinbindet. "Sie bringen Beobachtungen ein und werden so Teil der Produktentwicklung", erklärt Grassl. Meist sind die Rückmeldungen sehr praktischer Natur und beanstanden fehlende Beschilderungen, empfehlen Gastronomie oder weisen auf Sehenswürdigkeiten hin.

Wissen, Feedback und Tipps, die über die App gesammelt wurden, flossen in die Gestaltung von zwei ersten konkreten Tour-Angeboten für die Thayaregion ein, die sich in mehrtägigen Wochenendtouren ab Wien mit Kinder- und Naturprogrammen explizit an Familien richten. "Bis jetzt waren solche Angebote eher 'trial and error'. Durch solche Tools sind wir aber näher daran, was der Kunde tatsächlich möchte", resümiert Grassl. Die Entwickler hoffen, dass sich nach Projektende weitere Regionen anschließen und das System übernehmen. (pum, 8.7.2016)

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