Schokoladegenuss: Das Glück auf der Zunge

10. Juli 2016, 07:00
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Anna Richard untersucht die unbewussten Prozesse hinter der Gier nach Schokolade

Auf welches Genussmittel könnten Sie schwer verzichten? Falls es sich dabei um Schokolade handelt, schwimmen Sie mit Ihrem Verlangen im Mainstream. "Fast jede Frau und ein Fünftel der Männer haben diesen Drang nach Schokolade schon einmal verspürt", weiß Anna Richard. In ihrer Masterarbeit hat sich die 25-Jährige mit den psychologischen Auswirkungen beschäftigt, die ein selektiver Verzicht auf Schokolade mit sich bringt. Immerhin versprechen zahlreiche Diäten vor allem dann positive Effekte, wenn man auf gewisse Genussmittel wie eben Schokolade verzichtet.

Tatsächlich bringen solche Genusskillerdiäten selten den gewünschten Erfolg: "Eine kurze Diät mit rigidem Verzicht kann langfristig zum Bumerangeffekt führen, obwohl manche Studien das Gegenteil behaupten", so die Psychologin. Um die Mechanismen dahinter herauszufinden, hat Anna Richard neben den Aussagen der Studienteilnehmer auch deren unbewusst aktivierte Einstellungen untersucht.

Dabei zeigte sich, dass das Verlangen nach Schokolade durch den Verzicht darauf noch stärker wurde. "Das erklärt die Schwierigkeiten beim Durchhalten von Diäten", folgert Richard. Was die Schokoladeabstinenz so schwer macht: Die positiven Assoziationen mit der süßen Versuchung bleiben durch den Verzicht völlig unverändert. Das radikale Streichen bringt im Kampf gegen die überzähligen Kilos also nicht viel, wenn man nicht auch seine unbewussten Einstellungen ändert. Dazu aber bedarf es gezielter Interventionen. Wie diese aussehen könnten, erforscht Anna Richard zurzeit im Eating Behavior Laboratory der Uni Salzburg.

Dass sich die Doktorandin ausgerechnet dieses Thema für ihre Dissertation ausgesucht hat, ist keine Folge eigener Fehlversuche in Sachen Diät: "Mit meinem Gewicht habe ich Gott sei Dank keine Probleme", sagt sie. "Ich bin ein absoluter Genussmensch und schränke mich beim Essen so wenig wie möglich ein." Damit das funktioniert, steht allerdings viel Bewegung auf ihrem Stundenplan: schwimmen, joggen und Power-Yoga sorgen für den nötigen Kalorienverbrauch.

Praktische Erfahrungen in Hinblick auf problematisches Essverhalten konnte sie dennoch reichlich sammeln: etwa im Rahmen einer Untersuchung über Nahrungsmittelpräferenzen von Kindergartenkindern. "Es ist prekär, dass schon in diesem Alter rund ein Drittel der Kinder übergewichtig ist", verweist Anna Richard auf die gesellschaftspolitische Brisanz des Themas.

Für ihre Postdoc-Karriere wünscht sich die aus der Nähe von Köln stammende Nachwuchspsychologin einen Mix aus Forschungs- und Therapiearbeit. Ob es im Wissenschaftsbetrieb für sie dann eine Stelle geben wird, ist jedoch alles andere als sicher. "Während bis zur Masterarbeit rund 70 Prozent Frauen studieren und im Doktoratsstudium immerhin noch weitgehende Geschlechtergleichheit herrscht, ändert sich das im Forschungsbetrieb zuungunsten der Frauen dramatisch – da sind dann die Stellen zu 70 Prozent mit Männern besetzt", weist Richard auf die Genderproblematik in Studienrichtungen wie Psychologie hin. Kürzlich hat Anna Richard den Marie-Andeßner- Preis der Uni Salzburg erhalten, der dazu beitragen soll, das Gender-Problem abbauen soll.(Doris Griesser, 6.7.2016)

  • Anna Richard arbeitet im Eating Behaviour Laboratory der Universität Salzburg.
    foto: anna richard

    Anna Richard arbeitet im Eating Behaviour Laboratory der Universität Salzburg.

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