Den Lebensstil am Sodbrennen erkennen

6. Juli 2016, 09:00
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Etwa ein Drittel der Österreicher hat regelmäßig Sodbrennen – Auch Stress und Dauerbelastung schlagen sich auf den Magen, sagen Experten

Wien/St.Pölten – Sodbrennen entsteht durch den Rückfluss (Reflux) von Magensäure in die Speiseröhre. 30 bis 40 Prozent der Österreicher leiden an diesem Problem. Der Reflux entsteht, weil der Schließmuskel am Übergang zwischen Magen und Speiseröhre – der sogenannte Ösophagus-Sphinkter – nicht mehr einwandfrei funktioniert. Eine Folge von zu viel, zu süßem und zu fettigem Essen, vor allem am Abend. Bewegungsmangel, Zigaretten und Alkohol verstärken die Symptome zusätzlich.

Studien haben außerdem gezeigt: Fallen Beruf- und Privatleben zur Last, kann sich das ebenfalls auf Magen und Speiseröhre schlagen. Laut der Gesundheitspsychologin Petra Fuss wird für das Entstehen der Refluxkrankheit eine weitere Ursache sträflich vernachlässigt: Die Dauerbelastung, die ein "Leben im Plural" mit sich bringt.

Im Beruf werden E-Mails geschrieben, Termine bestätigt und abgesagt, nebenbei telefoniert, also mehrere Kommunikationsmittel parallel genutzt. In der Freizeit setzt sich dieser Modus fort: "Der Fernsehapparat läuft, das Handy ist eingeschaltet und zwischendurch wird auch noch der Facebook-Account gecheckt. Ständiges 'Sich-ablenken-Lassen' durch praktisch gleichzeitiges Bedienen von Smartphones und Tablets aktivieren unbemerkt, aber pausenlos Körper und Seele und fördern somit auch die Produktion von Magensäure", erklärt die Verhaltenstherapeutin.

Multimedia-Lebensstil produziert mehr Magensäure

Eine kurzzeitige Überproduktion von Magensäure verkraftet der Körper zumeist recht gut. Dauerbelastungen wie etwa die häufige parallele Nutzung unterschiedlicher Medien können aber zusätzlich und häufig unbemerkt für Stress sorgen. Bei vielen führt die praktisch pausenlose Kommunikation zu inneren Anspannungen. Zusätzlich wird bei Stress die Atmung flacher. "Das wiederum äußert sich in einem Druckgefühl in der Brust mit Globusgefühl im Hals, Schluckbeschwerden oder Reizhusten. Dadurch steigt der Leidensdruck für jene, die ohnedies schon mit Magenbeschwerden und Sodbrennen kämpfen", so Petra Fuss.

Die Speiseröhre als Spiegel der Seele

"Bei vielen Patienten wird schon im Zuge des Erstgesprächs klar: Sie haben eine tief in der Seele liegende Unausgewogenheit, die sich über die Speiseröhre bemerkbar macht", meint Martin Riegler vom Wiener Reflux-Zentrum. Es reiche daher nicht aus, spürbare Reflux-Symptome wie Sodbrennen, saures Aufstoßen oder ständige Heiserkeit standardmäßig mit Medikamenten zu behandeln: "An erster Stelle müssen exakte Diagnose und Ursachenbekämpfung stehen. Und dazu zählt neben der oft nötigen Änderung der Ernährungsgewohnheiten auch die Verbesserung der Gemütslage, die Dauerprobleme oder ständig hohes Aktivitätsniveau mit sich bringen können", so Riegler.

Magenschoner: Im Hier und Jetzt leben

"Viele von uns müssen wieder lernen, sich trotz der ständigen Ablenkung durch Umweltreize und Medien auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Sonst verlieren wir den Kontakt zu uns selbst und somit auch zu unserem Körper und merken erst beim Auftreten körperlicher Beschwerden, dass wir überfordert sind", ist Petra Fuss überzeugt. Ihr Rezept klingt leicht verdaulich: Achtsamkeitsübungen, Atem- und Entspannungstechniken sowie das Erlernen einer gesunden Work-Life Balance. (red, 6.7.2016)

  • Dem Wiener Reflux-Experten Martin Riegler zufolge Weisen viele Patienten eine tief in der Seele liegende Unausgewogenheit auf, die sich über die Speiseröhre bemerkbar macht. Laut der Gesundheitspsychologin Petra Fuss ist deshalb das Erlernen einer gesunden Work-Life Balance wichtig.
    foto: apa/dpa//stefan sauer

    Dem Wiener Reflux-Experten Martin Riegler zufolge Weisen viele Patienten eine tief in der Seele liegende Unausgewogenheit auf, die sich über die Speiseröhre bemerkbar macht. Laut der Gesundheitspsychologin Petra Fuss ist deshalb das Erlernen einer gesunden Work-Life Balance wichtig.

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