Schweizer Autor Markus Werner gestorben

5. Juli 2016, 13:56
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Suche nach tropischer Insel im Eismeer als rote Linie im Werk

Wien – "Zum Warmwerden lag allem Anschein nach keine Ursache vor." Es ist ein Satz Robert Walsers, den der Schweizer Autor Markus Werner als 40-jähriger Debütant seinem ersten Roman Zündels Abgang (1984) als Motto voranstellte. Gemünzt ist er – auch – auf das Verhältnis von Werners dünnhäutigen Helden zu der gebrechlichen und kalten Einrichtung der Welt, in der sie alle Fremde und Befremdete bleiben.

Die Suche nach jener tropischen Insel im Eismeer, wie Zündel die Liebe bezeichnet, zieht sich als rote Linie durch das Werk Werners, der nach dem Studium als Lehrer arbeitete, bevor er den Beruf des Schriftstellers wählte.

Vatergeschichten

Alle Figuren Werners kämpfen, es sind aber stille Schlachten, die sie schlagen. "Wer lebt, der strampelt auch", heißt es in Froschnacht (1985), dem zweiten Roman des Autors, der zentraler noch als der Debütroman eine Vatergeschichte verhandelt. Und der Maler Wank, der das Malen aufgegeben hat, weil es immer nur "die Fremdheit der Dinge sichtbar macht", sieht sein Leben in Die kalte Schulter (1989) nicht als Leben, sondern als Gleichgewichtsstörung.

Feinheit der Wahrnehmung

So existenziell und bedrängend seine Themen auch sein mögen, immer schwingt in Markus Werners schmalem, leichtfüssigen und tiefgründigen Werk ein feiner Humor, Selbstironie und zuweilen Sarkasmus mit. Letzterer vor allem dann, wenn Werner wie in seinem letzten Roman Am Hang (2004) gesellschaftliche Verrohungs- und Abstumpfungsentwicklungen beschreibt.

Entgegengesetzt hat Werner diesen Tendenzen die Feinheit der Wahrnehmung und das Beharren auf der Vereinbarkeit von Widersprüchen. Man kann, schreibt er in Bis bald (1992), "sehr wohl genesen, und trotzdem unheilbar sein." Markus Werner verstarb nach langer Krankheit 72-jährig in Schaffhausen. (Stefan Gmünder, 5.7.2016)

  • Kampf gegen die Fremdheit der Dinge: Markus Werner.
    foto: epa/ayse yavas

    Kampf gegen die Fremdheit der Dinge: Markus Werner.

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