Fahrgastrechte: 670.000 Euro Entschädigungen in einem Jahr

5. Juli 2016, 13:39
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Die meisten Verfahren betrafen den Flugverkehr

Wien – Die seit Mai 2015 tätige Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf) hat im ersten Jahr ihres Bestehens 3.365 Beschwerden entgegengenommen und 1.752 Schlichtungsverfahren eröffnet, von denen 83 Prozent positiv erledigt wurden. An Entschädigungszahlungen wurden mehr als 670.000 Euro erwirkt. Diese Zahlen nannte apf-Leiterin Maria-Theresia Röhsler am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die apf ist aus der Schlichtungsstelle der Schienen-Control hervorgegangen und nicht allein für Bahnverkehr, sondern auch für Flug-, Bus- und Schiffsverkehr zuständig. Und damit sind die Aufgaben der Stelle enorm gewachsen. Das Gros der Verfahren, welche die Agentur in den ersten zwölf Monaten eröffnet hat, betraf mit 1.428 den Flugverkehr. Im Bahnverkehr waren es 314, im Busverkehr neun und im Schiffsverkehr lediglich eines.

Vermittler zwischen Airline und Passagier

Die vergleichsweise moderate Zahl an Verfahren im Bahnbereich ist nach Angaben von Röhsler auf die gesunkene Zahl an Beschwerden gegen die ÖBB zurückzuführen sowie auf ein verbessertes Beschwerdemanagement der Bahnunternehmen, so dass es für viele Fahrgäste nicht nötig war, sich an die apf als zweite Instanz zu wenden. Im Vergleich zum Kalenderjahr 2014 ist die Zahl der Beschwerden von Bahnreisenden um fast ein Viertel zurückgegangen. Die geringe Zahl an Beschwerden von Busreisenden liegt nicht zuletzt daran, dass die Verordnung für Busfahrgastrechte erst ab Strecken von 250 Kilometern gilt. Im Schiffsbereich ist die geringe Zahl auf den kleinen Markt zurückzuführen.

Im Flugbereich hat die apf im ersten Jahr 1.428 Verfahren eingeleitet, 1.363 wurden in diesem Zeitraum beendet, in den meisten Fällen sei erfolgreich zwischen Passagier und Airline vermittelt worden, sagte Röhsler. An finanziellen Entschädigungen für Fluggäste wurden insgesamt knapp 660.000 Euro erzielt. Nur in 37 Fällen war keine Einigung möglich, weil Fluglinie oder Passagiere die vorgeschlagene Lösung abgelehnt haben. 58 Prozent der abgeschlossenen Verfahren betrafen Annullierungen von Flügen, 34 Prozent Verspätungen.

Unwissentliches Schwarzfahren

An dritter Stelle folgten mit etwa acht Prozent Nichtbeförderungen. Die Höhe der Entschädigung, die Passagieren im Fall von Verspätungen zusteht, ist abhängig von deren Ausmaß und der Flugstrecke. Richtwerte: 250 Euro gibt es ab drei Stunden Verspätung eines Europaflugs, 400 in den Nahen Osten und 600 bei einer Transatlantikstrecke. Voraussetzung ist, dass die Airline die Verzögerung selbst verschuldet hat.

Im Bahnbereich hat die apf nach 596 Beschwerden 314 Schlichtungsverfahren eröffnet und in 238 Fällen eine finanzielle Entschädigung bzw. einen Strafnachlass für unwissentliches Schwarzfahren erzielt. Insgesamt wurden 18.151 Euro ausbezahlt. In knapp der Hälfte der Verfahren ging es um Fahrpreiserstattungen. Der zweithäufigste Grund waren mit 17 Prozent Verspätungen und Entschädigungen für daraus entstandene Kosten, z. B. für Taxifahrten. (APA, 5.7.2016)

Alle Informationen über Passagier- und Fahrgastrechte sind auf der apf-Homepage unter www.passagier.at bzw. www.apf.gv.at abrufbar. Über ein Webformular können Reisende Beschwerden einbringen, der Sachverhalt wird dann geprüft, die apf leitete gegebenenfalls ein Schlichtungsverfahren ein. Deren durchschnittliche Dauer liegt im Bahnbereich bei 23 und im Flugverkehr bei 35 Tagen.

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