Augenlasern: Ärzte warnen vor Billig-Angeboten im Ausland

5. Juli 2016, 13:29
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Augen-OP und Strandurlaub: Anbieter locken mit niedrigen Preisen, Augenärzte raten von solchen Angeboten ab

Das Phänomen Gesundheitstourismus ist vor allem im Zusammenhang mit Kronen, Brücken und Stiftzähnen bekannt. Der häufigste Grund, warum Löcher im Gebiss etwa in Ungarn gestopft werden: das Loch im Geldbörsel ist danach weniger groß, so die Hoffnung vieler Patienten.

Mittlerweile haben Anbieter aus dem Ausland zunehmend auch ein Auge auf die Fehlsichtigkeit geworfen. Der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) zufolge reisen jährlich etwa 25.000 Deutsche jährlich ins Ausland, um mit einer Laseroperation eine Fehlsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung korrigieren zu lassen. Mitunter wird auch ein Gesamtpaket "Augen-OP und Sommerurlaub" angepriesen.

Relativ sicherer Eingriff

Das Laser-in-situ-Keratomileusis-Verfahren (LASIK) gilt als sichere Methode, um per Laser eine Kurz- oder Weitsichtigkeit zu korrigieren. Dabei öffnet der Augenarzt mit einem Laserstrahl die Hornhaut des Auges und entfernt einige Tausendstel-Millimeter Hornhautgewebe, um die Fehlsichtigkeit zu korrigieren.

"Dank führender Technologie und sehr strenger Handlungsempfehlungen können wir in Deutschland bei diesem spezialisierten Eingriff sehr hohe Qualität anbieten", sagt Thomas Kohnen von der DOG. Doch Qualität hat ihren Preis: rund 2.500 Euro pro Auge kostet das Verfahren einschließlich der Vor- und Nachbehandlung. Die Krankenkasse zahlt nur in Ausnahmefällen.

"Manche Patienten klagen nach dem Eingriff über ein Trockenheitsgefühl in den Augen. Dass sich die Hornhaut entzündet und Narben entstehen, kann vorkommen, sei aber die Ausnahme", so Kohnen.

Mängel, die ins Auge gehen

Im Ausland ist die Augen-OP deutlich günstiger zu haben: "So bieten einige Kliniken an, beide Augen für 1.000 Euro oder weniger zu korrigieren", heißt es vonseiten der DOG. Das gehe jedoch nicht selten auf Kosten der Qualität, warnen die Experten. So seien die Geräte häufig veraltet oder nicht steril, den Operateuren fehle eine geprüfte Qualifikation.

Thomas Kohnen, der auch die Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Frankfurt leitet, hat Erfahrung mit Patienten, die nach einer LASIK im Ausland über Beschwerden klagen. "Bei vielen von ihnen wurde die Hornhaut nach dem Lasern nicht richtig fixiert. In anderen Fällen wurde zu viel oder zu wenig Hornhautgewebe entfernt. Fast immer fehlte es an einer gründlichen Voruntersuchung und Nachsorge", so der Mediziner.

Voruntersuchung und Nachkontrolle

Der Experte rät darum allen Patienten davon ab, sich von niedrigen Preisen ins Ausland locken zu lassen. "Die Angebote sind nur auf den ersten Blick günstig: Braucht der Patient eine Nachbehandlung, so muss er diese aus der eigener Tasche bezahlen." Hinzu kämen noch die Kosten für die Reise und den Aufenthalt.

Menschen, die eine Behandlung mit LASIK in Erwägung ziehen, sollten sich in einem zertifizierten Zentrum beraten und behandeln lassen, empfiehlt Kohnen: "Zu einer guten Behandlung gehört eine gründliche Voruntersuchung mit einem aufklärendem Gespräch, sowie eine abschließende Kontrolle nach dem Eingriff." (red, 5.7.2016)

  • Wer daran denkt, seine Fehlsichtigkeit operativ korrigieren zu lassen, sollte sich nicht von Billiganbietern blenden lassen, meinen Augenärzte.
    foto: apa/dpa/friso gentsch

    Wer daran denkt, seine Fehlsichtigkeit operativ korrigieren zu lassen, sollte sich nicht von Billiganbietern blenden lassen, meinen Augenärzte.

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