Weniger Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr 2016

5. Juli 2016, 17:49
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Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist nach dem Rückgang im letzten Jahr wieder gestiegen

Wien – Während im ersten Halbjahr die Zahl der Firmenpleiten in Österreich deutlich zulegte, sank jene der Privatinsolvenzen. Bei den Firmeninsolvenzen gab es laut aktueller Statistik des KSV 1870 einen Anstieg von fast fünf Prozent. 2652 Unternehmen schlitterten bisher in die Pleite. KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner erwartet, dass sich der Trend eines mäßigen Anstiegs auch im zweiten Halbjahr 2016 fortsetzen wird.

Mit 1625 Fällen (plus 6,9 Prozent) wurden deutlich mehr Verfahren eröffnet als (mangels Vermögens) abgewiesen. Geradezu explodiert sind mit einem Plus von rund 115 Prozent die Schulden auf 1785 Milliarden Euro. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer stagniert bei 9500.

Kein Massenphänomen

Kantner führt "die Verdopplung der Insolvenzverbindlichkeiten im Wesentlichen auf drei Fälle zurück". Von einem Massenphänomen innerhalb der Insolvenzlandschaft sei nicht zu sprechen. "Auch der fünfprozentige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen ist kein Alarmsignal." Kantner rechnet aber nach der rückläufigen Insolvenzentwicklung letztes Jahr wieder mit steigenden Zahlen."

Was den Rückgang der Privatkonkurse um 4,3 Prozent auf 4233 Personen betrifft, so kommt der KSV zum Schluss: Es könnte durchaus ein bisschen mehr sein. Denn in Privatkonkurs kann nur gehen, wer noch finanzielle Mittel hat. Wer seinen Gläubigern keine Quote anbieten kann, bleibt auf seinen Schulden sitzen.

Anders als bei den Unternehmen ging der Gesamtschuldenstand bei den Privaten mit 523 Millionen Euro um 1,5 Prozent zurück. Wobei jene, die mit einer Selbstständigkeit gescheitert sind, im Schnitt Schulden von 270.000 Euro anhäufen. Bei "echten" Privatpersonen liegen die Schulden im Schnitt bei 59.000 Euro. Auffällig ist, dass in Wien die Zahl der Privatpleiten um zwölf Prozent zurückgegangen ist, wobei die absoluten Zahlen bedingt durch Bevölkerungszahlen und Großstadtsituation mit 1933 am höchsten sind. In Oberösterreich und der Steiermark betrug der Anstieg hingegen rund zwölf Prozent.

Schuldenregulierung

Dass es in Kärnten – dem Bundesland mit dem schwächsten Pro-Kopf-Einkommen – einen Rückgang bei den Privatpleiten (-15,6 Prozent) gibt, führen die Kreditschützer auch auf das Schließen von einigen Schuldnerberatungsstellen zurück. "Es gibt viele heillos überschuldete Personen, die einer Schuldenregulierung mit Begleitung und Beratung durch Schuldenberatungsstellen bedürfen", so Kantner. (rebu, 6.7.2016)

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