Flashback: "Das Schweigen der Lämmer" 25 Jahre später betrachtet

18. Juli 2016, 12:44
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Jonathan Demmes Film ist mittlerweile ein Klassiker, die Figur des Hannibal Lecter zur Popikone avanciert. Zeit, auf den Film zurückzublicken

Nachts quälen Clarice Starling Erinnerungen an ihre Kindheit. Die Schreie der Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank lassen die junge Frau nicht los und erinnern sie an ihre Machtlosigkeit gegenüber dem Lauf der Dinge. Tagsüber versucht die ambitionierte FBI-Agentin dem Serienkiller "Buffalo Bill" auf die Schliche zu kommen. Seinen ausschließlich weiblichen Opfern zieht der Mörder Hautsegmente vom Körper, um sich daraus einen neuen Körper zurechtzuschneiden, bis er von Starling gestoppt wird.

Jodie Forster beeindruckte 1991 als Clarice Starling Publikum, Kritik und sogar die Oscar-Jury mit ihrer Darstellung. Der eigentliche Star des Films ist aber Hannibal Lecter, gespielt von Anthony Hopkins, der Starling bei den Ermittlungen behilflich ist – freilich nicht aus Nächstenliebe.

Vom Buch zum Film zur Popfigur

Die Figur des hochintelligenten Kannibalen aus den Romanen von Thomas Harris wurde zuvor bereits 1986 in "Blutmond", einem Prequel zu den Geschehnissen in "Das Schweigen der Lämmer", durch Michael Mann auf die Leinwand gebracht. Der kühle, ästhetisch versierte Film, dessen postmoderne Atmosphäre unter anderem in den Privaträumen des US-Künstlers Robert Rauschenberg inszeniert wurde, war durchaus erfolgreich. Verkörpert von Brian Cox erreichte der Opfer verspeisende Soziopath allerdings nicht die popkulturelle Bedeutung, die ihm sieben Jahre später durch Hopkins' Darstellung verliehen wurde. Die Hannibal-Maske ist mittlerweile steter Gast bei Halloween-Partys.

thecultbox

Das Spiel Hopkins' wird oft als kongenial beschrieben. Die vielen Close-ups, die das Gesicht Lecters immer wieder in den Mittelpunkt rücken, dürften der Zuschauerschaft noch Jahre später im Gedächtnis bleiben. Dazu die prägnante Stimme, das selbstbewusste "Hello Clarice" und die beunruhigende Ruhe, die das Spiel Hopkins' prägen, und die Faszination für den Mörder ward geboren. Einen Mörder, dessen Puls auch dann die 85 nicht überschreitet, wenn er seinen Opfern die Zunge abbeißt. Dass sich Clarice Starling in den nachfolgenden Filmen auf eine Liebesbeziehung mit ihm einlässt, ist auf bizarre Weise – zumindest für den Bruchteil einer Sekunde – beinahe nachvollziehbar. Im "Schweigen der Lämmer" tendiert die Ambivalenz zwischen Faszination und Angst gegenüber Lecter aber noch deutlicher zur Angst, einer Angst, die auch das Publikum erfasst. Das US-amerikanische Release-Datum von "Schweigen der Lämmer" fiel übrigens auf den Valentinstag 1991, was für ein humoriger Einfall.

Wie hat Ihnen der Film gefallen?

Gut 25 Jahre ist es nun also her, dass dieser mit fünf Oscars prämierte Film veröffentlicht wurde. Wie haben Sie, wie Ihr Umfeld den Film wahrgenommen? Welche Szene hat Sie am meisten verstört? Wie schätzen Sie die Fortsetzungen ein, wie im Allgemeinen die Umsetzung der literarischen Vorlage? (jmy, 18.7.2016)

  • Ich schau dir in die Augen, Kleines.
    foto: abc-films

    Ich schau dir in die Augen, Kleines.

  • Clarice Starling kämpft für die Stille in ihrem Kopf und gegen Mörder.
    foto: abc-films

    Clarice Starling kämpft für die Stille in ihrem Kopf und gegen Mörder.

  • After Dinner.
    foto: abc-films

    After Dinner.

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