WRT54GL: Zehn Jahre alter Kult-Router macht Millionen für Linksys

5. Juli 2016, 10:19
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Hersteller hat trotz veralteter Hardware keine Pläne die Produktion einzustellen

Es scheint zunächst schwer bei einer solch schnöden Geräteklasse wie WLAN-Routern den Begriff "Kult" zu verwenden. Aber wenn diese Bezeichung auf irgendein Gerät zutreffen kann, dann ist es wohl der WRT54GL. Mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Vorstellung spült der Router weiterhin jedes Jahr mehrere Millionen Dollar in die Kassen von Hersteller Linksys, wie Arstechnica berichtet.

Offenheit als Stärke

Der zentrale Grund für die Beliebtheit des WRT54GL ist im letzten Buchstaben des Produktnamens zu finden. Das "L" steht nämlich für Linux, und in diesem Fall dafür, dass die Firmware des Geräts von den Nutzern nach Belieben ausgewechselt werden. Dies war schon bei den ersten Geräten der WRT54G-Reihe der Fall und hatte dazu geführt, dass diese unter Bastlern rasanten Absatz fanden. Dass beliebte Drittfirmware wie OpenWRT oder DD-WRT sich drei Buchstaben des Namens mit dem Linksys-Router teilen, ist entsprechend kein Zufall, sondern geht darauf zurück, dass diese Projekte rund um den WRT54G(L) entstanden sind.

Seit dem ersten Modell im Jahr 2002 hat Linksys nach eigenen Informationen mehr als 31 Millionen Stück der WRT54G-Familie verkauft. Und zumindest vorerst ist dabei auch kein Ende in Sicht. Obwohl die Hardware des WRT54GL längst nicht mehr mit anderen aktuellen Geräten mithalten kann – der Router unterstützt etwa lediglich 802.11g – wird er weiter eifrig verkauft.

Verblüffung

Vince La Duca, Produktmanager bei Linksys, kann das anhaltende Interesse an dem Router selbst nicht ganz verstehen. "Um ehrlich zu sein, verblüfft mich das einigermaßen". So lange es aber eine ausreichende Nachfrage gibt, werde man das Gerät weiterproduzieren. Auch mit Chipsatzhersteller Broadcom ist dabei abgemacht, dass dieser die Produktion der nötigen Bauteile vorerst nicht einstellt.

Für viele ist der WRT54GL aber wohl auch einfach eine sehr billige Lösung, zu einem Router zu kommen, der nach Belieben angepasst werden kann. Zwar bietet LInksys selbst einige andere Router an, bei denen die Installation von Dritt-Firmware erlaubt wird, diese sind aber üblicherweise in höheren Preisregionen angesiedelt, während es den WRT54GL derzeit schon ab 50 Euro gibt.

Aufstieg

Die Rolle, die die WRT54G-Familie für den Aufstieg von Linksys gespielt hat, kann jedenfalls kaum überschätzt werden. War das Unternehmen zuvor nur wenigen bekannt, avancierte es anschließend für viele – zumindest im Consumerbereich – zu dem Router-Anbieter schlechthin. Lange unter dem Dach von Cisco operierend, wurde Linksys vor drei Jahren an Belkin verkauft.

Bei neueren Modellen versucht Linksys übrigens optisch an die früheren Jahre anzuschließen. Geräte wie der WRT1900AC sind im Design und der Farbwahl bewusst an den Stil des Urahnen angelehnt. (red, 5.7.2016)

  • Der WRT54GL.
    foto: linksys

    Der WRT54GL.

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