Schießerei in Wien-Penzing: Zweiter Verdächtiger gefasst

4. Juli 2016, 20:41
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Der Festgenommene soll den Haupttäter zum Überfall gefahren und in seiner Wohnung beherbergt haben – dort wurden auch Waffen gefunden

Wien – Nach dem Raubüberfall auf einen Supermarkt in Wien-Penzing, bei dem ein 49-jähriger Bosnier zwei Polizisten schwer verletzte, ist am Montag ein zweiter Tatverdächtiger gefasst worden. Wie der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl im ORF sagte, soll der Mann dem späteren Haupttäter – dieser wurde von der Polizei erschossen – möglicherweise bei der Durchführung seines Überfalls geholfen haben. Erkenntnissen der Polizei zufolge habe er den Mann bei sich zu Hause beherbergt.

In seiner Wohnung sollen auch mehrere Schusswaffen, Messer sowie eine Gaspistole sichergestellt worden sein. Diese Waffen werden ebenso wie die Tatwaffe, eine Beretta, daraufhin untersucht, ob sie mit weiteren Delikten in Zusammenhang stehen.

Pürstl berichtete im ORF zudem, dass der nun festgenommene Tatverdächtige den Haupttäter mit einem Carsharing-Auto zum Tatort gebracht haben soll. Im Anschluss habe er in einem nahe gelegenen Lokal auf seinen mutmaßlichen Komplizen gewartet.

"Nichts gewusst"

Auf den 63-Jährigen, der sich Montagabend in Polizeigewahrsam befand, sei man im Zuge der Identitätsfeststellung des Täters, da er bei dem Mann in einer Wohnung in der Inneren Stadt gemeldet war, gekommen, erläuterte Polizeisprecher Christoph Pölzl am Montagabend. Die Festnahme erfolgte um 13.50 Uhr, bekannt wurde sie am Montagabend.

Bei einer Erstbefragung gab der 63-Jährige an, nichts von den Überfallplänen gewusst zu haben und den Jüngeren kurz vor der Tat mit einem Carsharing-Pkw in die Nähe des späteren Tatorts gefahren zu haben. Dort habe er dann in einem Lokal auf ihn gewartet, so Pölzl.

Angestellte gefesselt, auf Polizisten geschossen

Zwei Funkwagen waren am Samstag nach der Alarmierung zum Tatort gerast. Der Räuber hatte kaltblütig auf die Polizeibeamten geschossen, als diese an der Hintertür der Billa-Filiale in der Hütteldorfer Straßeerschienen, in der zuvor der Täter drei Angestellte gefesselt hatte. Ein 23 Jahre alter, erst vor wenigen Wochen in den Exekutivdienst übernommener Beamter wurde am Kopf getroffen, ein 25-jähriger Polizeischüler im Bauch- und Oberschenkelbereich.

Neben den jungen Kollegen, die angeschossen wurden, seien auch erfahrene Polizisten im Einsatz gewesen, sagte Pürstl. Es gebe "keinen Hinweis, dass mangelnde Berufserfahrung eine Rolle gespielt hat", sagte der Polizeipräsident. Es lasse sich so eine Situation schwer verhindern, wenn ein Mann mit gezogener Waffe auf Polizisten ziele, meinte Pürstl.

Verlegung in Heimat

Einer der beiden verletzen Polizisten schwebte am Montag weiterhin in Lebensgefahr. Auf Wunsch der Familie wurde der 23-jährige Kärntner per Hubschrauber in sein Heimatbundesland verlegt.

Die Gewerkschaft forderte nach dem Überfall Konsequenzen. Das kaltblütige Vorgehen des Täters unterstreiche die Notwendigkeit einer besseren Ausrüstung der Exekutive – etwa der Anschaffung schusssicherer Westen. Darüber hinaus forderte der SPÖ-Gewerkschafter Harald Segall, Vorsitzender der Personalvertretung bei der Wiener Polizei, dass zukünftig jeder Streifenwagen mit ballistischen Helmen ausgestattet wird, auf die von Polizeibeamten bei einer entsprechenden Gefahrenlage zugegriffen werden könne. (APA, red, 4.7.2016)

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