Raus aus der Komfortzone

Kommentar4. Juli 2016, 18:02
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Freie Berufe dürfen nicht in einen Topf geworfen werden

Geschützte Märkte gehören im Interesse der Konsumenten kritisch hinterfragt. Dass sich die Betroffenen dagegen wehren, liegt auf der Hand. Schließlich geht es um viel Geld und die Vertreibung aus der Komfortzone. Österreich hält in der EU, was die Reglementierung der freien Berufe betrifft, einen Spitzenplatz. Dass dies allein dem Wohl der Kunden dient, darf bezweifelt werden.

Klar sind Dienstleistungen sogenannter Vertrauensberufe, vom Notar über Anwälte bis zu Ingenieuren und Treuhändern, kein Wurstsemmerl, dessen Qualität jeder sofort prüfen kann. Klar ist aber auch, dass Transparenz in vielen der abgeschotteten Werkstätten ein Fremdwort ist – ob bei Honoraren oder der Vergabe von Konzessionen.

Freie Berufe dürfen nicht in einen Topf geworfen werden: Die Gesundheitsbranche stärker zu verkommerzialisieren wäre fatal. Kritiker warnen zu Recht davor, dass kapitalgetriebene Investoren die Sicht auf Patienten trüben und Unabhängigkeit verlorengeht. Ob aber Anwälte, Notare oder Architekten Vertrauen verspielen, sobald sie externe Geldgeber an Bord holen, sollen ihre Klienten gefälligst selbst entscheiden dürfen. Keiner ist so naiv zu glauben, sie hätten ihre Dienste bisher ohne jedes Profitstreben erbracht.

Entscheidend ist, dass Qualitätskriterien nicht unterlaufen werden. Und dass ein wirtschaftliches Umfeld geschaffen wird, in dem Freiberufler überleben, ohne dem Lockruf potenter Finanzinvestoren folgen zu müssen. (Verena Kainrath, 4.7.2016)

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