Mutmaßliche IS-Mitglieder am Istanbuler Flughafen festgenommen

4. Juli 2016, 17:07
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13 Verdächtige wegen Anschlags angeklagt – Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in Istanbul

Istanbul – Knapp eine Woche nach dem verheerenden Anschlag am Istanbuler Atatürk-Flughafen sind dort zwei mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) festgenommen worden. Wie die Nachrichtenagentur Dogan am Montag berichtete, wurden die Männer aus Kirgistan im Alter von 25 und 35 Jahren am Sonntagabend gefasst. Wegen des Anschlags vom 28. Juni wurden derweil 13 Verdächtige angeklagt.

Im Gepäck der Festgenommenen wurden den Angaben zufolge Nachtsichtfernrohre, militärische Kleidung und zwei Pässe gefunden, die nicht ihnen gehörten. Die Männer wurden am Montag von Anti-Terror-Einheiten verhört. Es war zunächst nicht klar, ob sie bei der Ein- oder bei der Ausreise aufgefallen waren, und woher sie kamen bzw. wohin sie unterwegs waren.

Bis zu 7.000 IS-Mitglieder aus früheren Sowjetstaaten

Die türkischen Behörden ermitteln mit Hochdruck nach dem Anschlag vom 28. Juni, bei dem am Atatürk-Flughafen 45 Menschen getötet und mehr als 260 verletzt wurden. 47 Verletzte liegen noch immer im Krankenhaus.

Die drei Attentäter stammten laut der Regierung aus Russland, Usbekistan und Kirgistan. Aus den früheren Sowjetrepubliken in Zentralasien erhält der IS starke Unterstützung für seine Kampfeinsätze im Irak und in Syrien. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach im Oktober vergangenen Jahres von bis zu 7.000 IS-Kämpfern, die aus den Ex-Sowjetrepubliken stammten.

Am Sonntagabend erhoben die türkischen Behörden im Zusammenhang mit dem Anschlag Anklagen gegen 13 Verdächtige wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Mordes. Unter den Angeklagten seien zehn Türken, berichtete Dogan. Insgesamt sprach die Polizei von 29 Festnahmen im Zusammenhang mit dem Anschlag.

Schutz für Brücken und die U-Bahn erhöht

Ministerpräsident Binali Yildirim teilte am Montag mit, die Polizei sei in erhöhter Alarmbereitschaft, um den Atatürk-Flughafen und andere gefährdete Bereiche in Istanbul zu schützen. Dazu zählten auch U-Bahn-Stationen und der Marmaray-Tunnel, eine 13 Kilometer lange Tunnelverbindung zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil Istanbuls.

Zu dem Anschlag am Atatürk-Flughafen bekannte sich bisher niemand. Die türkischen Behörden machen den IS verantwortlich. In türkischen Medien wird der Tschetschene Achmed T. als Drahtzieher genannt, der nach Angaben der "Presse" im Jahr 2003 Asyl in Österreich erhalten hatte, später aber zum Kampf nach Syrien gewandert war. Wie die Zeitung "Hürriyet" in der vergangenen Woche berichtete, ist er der Anführer der Istanbuler IS-Zelle. Er soll demnach auch die Anschläge auf eine deutsche Touristengruppe im Stadtviertel Sultanahmet im Jänner und auf die Einkaufsstraße Istiklal im März gesteuert haben. (APA, 4.7.2016)

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