"Sächsische Zeitung" nennt künftig Nationalität von Verdächtigen

4. Juli 2016, 17:02
28 Postings

Das Medium will sich nicht mehr an den Pressekodex halten – Der Grund sind die "Lügenpresse"-Vorwürfe

Wien/Dresden – Die "Sächsische Zeitung" mit Sitz in Dresden will künftig die Nationalität von Verdächtigen und Straftätern nennen und sich damit nicht mehr an eine Richtlinie des deutschen Presserats halten. Einen Unterschied, ob es sich bei den Personen um Deutsche oder Ausländer handelt, werde nicht gemacht.

Das kündigte die Zeitung am Wochenende an. Begründet wird dieser Schritt mit der aufgeheizten Debatte rund um die Flüchtlingsberichterstattung und immer wiederkehrenden "Lügenpresse"-Vorwürfen, die etwa von Pegida-Anhängern kommen.

Kulturredakteur Oliver Reinhard erklärt den Schwenk so: "Es ist ja kein Geheimnis, dass etliche Deutsche glauben, die Medien würden in ihrer Berichterstattung die Herkunft ausländischer Straftäter aus Rücksicht auf diese verschweigen."

Fast die Hälfte glaubt an Order von oben

Laut einer Umfrage unter 300 Abonnenten der Zeitung glauben 46 Prozent der Leser, dass der Grund dafür, dass die Herkunft von Straftätern nur in Ausnahmefällen genannt werden darf, eine "Anordnung von oben in der Flüchtlingskrise" sei. 79 Prozent befürworten, die Herkunft künftig immer anzugeben.

Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagt Reinhard, es liege der Zeitung "sehr am Herzen, die überwiegende Mehrheit der nicht kriminellen Flüchtlinge in Dresden und den anderen Gemeinden unseres Verbreitungsgebiets zu schützen und sie vor Diskriminierung zu bewahren".

Presserat gegen Diskriminierung

In der Richtlinie des Presserats heißt es hingegen: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht." (red, 4.7.2016)

Share if you care.