USA: 100 Jahre Nationalpark

Userartikel8. Juli 2016, 15:44
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Der National Park Service verwaltet alle Nationalparks der USA, heuer feiert er sein 100-jähriges Bestehen

Wallace Stegner, amerikanischer Pulitzerpreisträger, lobte die amerikanischen Nationalparks als "die beste Idee, die wir je hatten. Absolut amerikanisch, absolut demokratisch, spiegeln sie unsere beste Seite wider, nicht unsere schlechteste". Mit dem Yellowstone National Park wurde 1872 der erste Nationalpark gegründet.

Dabei dachten die Abgeordneten des US-Kongresses damals noch nicht an den Naturschutz im heutigen Sinn. Vielmehr ging es darum, die Gegend zum "Nutzen und Vergnügen der Menschen" zu bewahren. Nichts anderes hatte bereits Präsident Abraham Lincoln im Sinne, als er sechs Jahre zuvor, im Jahr 1864, das Yosemite Valley dem Bundesstaat Kalifornien als Urlaubs- und Erholungszone für künftige Generationen übertrug.

Seit dem Yellowstone National Park wurden in den USA 59 weitere Nationalparks eröffnet, zunächst vor allem im Westen. Der erste Park im dichtbesiedelten Osten war der Acadia National Park in Maine 1919.

Weltweit gibt es mittlerweile 6.000 Schutzgebiete in beinahe 100 Staaten. Am 25. August feiert der National Park Service, jene Agentur, die alle US-amerikanische Nationalparks zentral verwaltet, sein hundertjähriges Bestehen.

foto: ap
Nirgendwo auf der Erde gibt es so viele heiße Quellen und Geysire wie im Yellowstone National Park.

Es mag verwundern, dass im 19. Jahrhundert im damals noch großteils wenig erschlossenen Westen der USA riesige Gebiete unter Schutz gestellt wurden, zu einer Zeit also, in der das Wort "Umweltschutz" noch unbekannt war. Natur wurde hauptsächlich als wirtschaftliche Ressource gesehen. Tatsächlich nahm die industrielle Revolution im Osten der USA nach Ende des Bürgerkrieges an Fahrt auf: Die Bevölkerungsdichte in den Ballungszentren stieg stetig an, und es entwickelte sich ein Industrieproletariat, das unter schlechter Luft- und Wasserqualität zu leiden hatte.

Romantische Naturauffassung

Gleichzeitig siedelten sich immer mehr Menschen im Westen an, angetrieben von Goldfunden in Kalifornien und Alaska und unterstützt durch die neue transkontinentale Eisenbahn, die ab 1869 die Ost- mit der Westküste verband. Als Gegenströmung zur Modernisierung entwickelte sich aber auch eine romantische Naturauffassung, die von Philosophen und Schriftstellern wie Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau, Malern wie George Catlin und Albert Bierstadt und frühen Fotografen wie Carleton Watkins verbreitet wurde.

foto: ap david goldman
Bild "Yellowstone Falls" von Albert Bierstadt aus dem Jahr 1881.

Die unberührte Natur wurde dabei auch bewusst als Symbol für die USA als ein junges, unbeschwertes, dynamisches Land verwendet, das sich selbstbewusst von einem als alt und dekadent bezeichneten Europa emanzipiert.

Antiquities Act

Zu einer zentralen Figur entwickelte sich der in Schottland geborene John Muir. Nach seiner Übersiedlung nach Kalifornien wurde er zum unermüdlichen Kämpfer für den Erhalt der Berglandschaften und gründete den Sierra Club, die größte Umweltschutzorganisation der USA. Bei einer mehrtägigen Wanderung durch Yosemite mit dem damaligen Präsidenten Theodor Roosevelt überzeugte Muir den Präsidenten vom Naturschutzgedanken: Kurz darauf unterzeichnete Roosevelt den Antiquities Act, der es US-Präsidenten ermöglicht, Naturschutzgebiete per Dekret als "National Monuments" zu errichten.

Diese Schutzgebiete sind meist kleiner als Nationalparks und schützen auch historisch interessante Gebiete wie etwa Ruinen von vorkolumbianischen Kulturen in Arizona und New Mexiko. 1906 erklärte Roosevelt den "Devils Tower", einen turmartigen Härtling magmatischen Ursprungs am Nordwestrand der Beard Lodgte Mountains im Nordosten des US-Bundesstaates Wyoming zum ersten nationalen Monument.

foto: ap
Der "Devils Tower" ist das erste nationale Monument, das 1906 vom damaligen US-Präsidenten Theodor Roosevelt unter Schutz gestellt wurde.

Im Gegensatz zu diesen nationalen Monumenten müssen Nationalparks vom US-Kongress bewilligt werden, was teilweise zu großen politischen Spannungen geführt hat: In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Initiativen der Republikaner, den Naturschutz aufzuweichen. Außerdem wird vermehrt Widerstand laut, wenn es darum geht, öffentliches Land unter Schutz zu stellen. Präsident Barack Obama reagierte: Mthilfe des Antiquities Acts wurden bisher 23 National Monuments errichtet oder vergrößert – mehr als unter jedem Präsidenten zuvor.

Großer Andrang

Politischer Gegenwind ist nicht das einzige Problem der amerikanischen Nationalparks. Mittlerweile sind viele bei Einheimischen und Touristen so beliebt, dass dieser Massenansturm das ökologische Gleichgewicht stört. Mit über zehn Millionen Besuchern pro Jahr ist der verhältnismäßig kleine Great Smoky Mountains National Park im dichtbesiedelten Osten der meistbesuchte Park, gefolgt von den Klassikern im Westen wie dem Grand Canyon, Yosemite, Yellowstone und Rocky Mountain National Park mit jeweils über drei Millionen Besuchern pro Jahr. An manchen Wochenenden erinnert die Autofahrt im Nationalpark an das Stop-and-go in einer Großstadt, und Hotelzimmer und Campingplätze müssen Wochen oder sogar Monate im Voraus gebucht werden.

foto: ap/rick bowmer
Der Grand Canyon National Park verzeichnet über drei Millionen Besucher pro Jahr.

Müll verhindern

Natürlich konzentriert sich der Besucheransturm meist auf relativ kleine Gebiete um das Besucherzentrum und einige wenige Höhepunkte, und das oft riesige, straßenlose Hinterland der Parks wird kaum besucht. Trotzdem gibt es auch für Rucksackwanderer, die mehrere Tage mit Zelt und Schlafsack unterwegs sind, ein Permit-System, um zu gewährleisten, dass nie mehr als eine Handvoll Leute an einem Platz übernachten. Park-Ranger überwachen strikt, dass kein Müll zurückbleibt. Außerdem müssen sogenannte Bärenkanister verwendet werden, die verhindern, dass Bären auf die Nahrung zugreifen können, damit sie sich nicht an menschliches Futter gewöhnen. (Wolfgang Schweigkofler, 8.7.2016)

Wolfgang Schweigkofler hat in Wien Mikrobiologie studiert und forscht im Bereich Ökologie an der Dominican University of California.

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