Ein Großteil bleibt im Urlaub für Chefs und Kollegen erreichbar

5. Juli 2016, 08:37
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Auch im Urlaub checken die meisten ihre Diensthandys und Mails – rechtlich sind sie dazu nicht verpflichtet

Jedes Jahr kommen sie wieder: die Meldungen, wie viele Arbeitnehmer auch im Urlaub erreichbar sind und die Arbeit mit an den Strand, in die Berge oder zum Städtetrip nehmen. In Deutschland nehmen sechs von zehn Beschäftigten dienstliche Anrufe entgegen, jeder zweite beantwortet Kurznachrichten. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor. Auch die Ergebnisse anderer Institute kommen sehen meist ähnlich aus: Etwa die Hälfte bleibt erreichbar.

Sklaven des Smartphones

Dabei sind die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit eigentlich klar definiert. Über die konkreten Arbeitszeiten gibt der jeweilige Tarif- oder Arbeitsvertrag Auskunft. Wenn der Vertrag keine Vereinbarungen über die reguläre Arbeitszeit hinaus enthält, darf das Diensthandy während des Urlaubs ausgeschaltet bleiben. Ebenso wenig ist der Arbeitnehmer verpflichtet, im Urlaub regelmäßig seine E-Mails abzurufen oder zu beantworten.

Viele Angestellte bieten aber freiwillig an, dass Chefs und Kollegen sie auch im Urlaub ansprechen dürfen. Eine rechtliche Verpflichtung besteht dazu in den meisten Fällen nicht. Das gilt auch für die Freizeit: Es gibt keine gesetzliche Regelung, die vorsieht, dass ein Diensthandy zur Erreichbarkeit verpflichtet. Sollte der Arbeitgeber das einfordern, dann gilt dies als Rufbereitschaft oder Arbeitsbereitschaft. Kommt es zur Arbeitsleistung, sollte man diese auf jeden Fall aufzeichnen und als Mehrarbeit vermerken.

Urlaub vom Urlaub

Wer vermutet, dass vor allem die Jüngeren im Urlaub erreichbar bleiben, irrt: Laut Bitkom-Studie will die Hälfte der Berufstätigen zwischen 14 und 29 Jahren die geschäftliche Kommunikation in diesem Sommerurlaub komplett aussetzen. Zum Vergleich: Unter den 30 bis 49-jährigen und den 50 bis 64-jährigen plant dies nur rund jeder Vierte.

Die ständige Erreichbarkeit hat auch zur Folge, dass man sich oft Urlaub vom Urlaub wünscht: Jeder zweite Österreicher kommt gestresst aus dem Urlaub zurück, haben die Marktforscher von Imas letztes Jahr vermeldet.

Tipps fürs Abschalten

Damit dies nicht passiert, sollte man sich an einfache Tipps halten: Zunächst gelte es, die Abwesenheit früh genug an Kollegen zu kommunizieren. Um bei laufenden Projekten nicht ständig in der Freizeit kontaktiert zu werden, solle man alle möglichen Fragen möglichst im Vorhinein schon klären und den Kollegen zum Beispiel mitteilen, wen sie bei Problem X oder Y am Besten kontaktieren sollen. Eine Abwesenheitsnotiz ist natürlich sehr wichtig, denn so wird auch signalisiert, dass man es mit dem Abschalten ernst meint. Auch gute Vorbereitung ist viel wert. Das gilt auch für Projekte, die unmittelbar nach dem Urlaub anstehen. Und last, but not least: Schreibtisch aufräumen, Dokumente sortieren – es gibt nichts Schlimmeres, als in ein Chaos zurückzukehren. (lhag, 5.7.2016)

  • "Ich bin dann mal weg" – der Satz gilt für einen Großteil der Berufstätigen nicht, denn sie bleiben im Urlaub erreichbar. Rund zwei Drittel der Berufstätigen (67 Prozent), die Ferien machen, antworten auf dienstliche Anrufe, E-Mails oder Kurznachrichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.
    foto: istock

    "Ich bin dann mal weg" – der Satz gilt für einen Großteil der Berufstätigen nicht, denn sie bleiben im Urlaub erreichbar. Rund zwei Drittel der Berufstätigen (67 Prozent), die Ferien machen, antworten auf dienstliche Anrufe, E-Mails oder Kurznachrichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

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