Moskauer Sommerschlussverkauf bei Prochorow

5. Juli 2016, 08:00
50 Postings

Der russische Multimilliardär Michail Prochorow ist im Kreml in Ungnade gefallen. Seine Unternehmen sollen nun zum Verkauf gelangen

Als "völlige und absolute Dummheit" bezeichnete Kremlsprecher Dmitri Peskow Berichte, dass die politische Führung in Russland Prochorow nachdrücklich geraten habe, seine Unternehmen in Russland zu verkaufen. "Davon kann keine Rede sein", betonte Peskow.

Prochorow, der 2012 noch bei den Präsidentschaftswahlen gegen Wladimir Putin antrat, wobei seine Kandidatur allerdings als mit dem Kreml abgestimmt galt, war zuletzt merklich unter Druck geraten. Im April, just an dem Tag, an dem Putin seine Fernsehaudienz gab, hatten hunderte Sicherheitsbeamte die Büros von Prochorows Firmen durchsucht – wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Betroffen waren neben dem Hauptquartier von Prochorows Investmentfirma Onexim auch der Energieversorger Kwadra, die Banken MFK, Renaissance Capital und Renaissance Credit sowie die Versicherungsgesellschaft Soglasije.

Konkrete Folgen hatten die Untersuchungen bislang nur für Jewgeni Dod, einen Manager von Prochorows Kwadra, der wegen Annahme illegaler Prämien verhaftet wurde – allerdings sollen die Vorwürfe aus Dods Zeit beim staatlichen Stromkonzern RusHydro stammen. Weitere Festnahmen wurden nicht vermeldet.

Der Schaden für Prochorow ist trotzdem hoch: Nachdem der Geheimdienst FSB durchsickern ließ, dass die Durchsuchungen bei MFK mit möglichen Steuermanipulationen zusammenhänge, hoben Kunden innerhalb eines Monats umgerechnet 140 Millionen Euro ab, rund ein Fünftel aller Einlagen bei der Bank.

RBK als rotes Tuch

Nicht durchsucht wurden lediglich die Büros der Medienholding RBK, obwohl gerade die als möglicher Auslöser für Prochorows Probleme gilt. RBK hatte nämlich in der Vergangenheit immer wieder mit seinen Recherchen Ärger im Kreml hervorgerufen. Die Journalisten berichteten nämlich über das Geschäftsimperium der mutmaßlichen Putin-Tochter Jekaterina Tichonowa und veröffentlichten später auch die Panama Papers, in denen Milliardenkonten des Putin-Vertrauten Sergej Roldugin, bis dato eher als Cello-Solist des Petersburger Mariinski-Theaters, denn als Geschäftsmann bekannt, offengelegt wurden.

foto: reuters
Der russische Oligarch Michail Prochorow (Zweiter von links) ist im Kreml in Ungnade gefallen. Im Ausland ist der Milliardär bekannt, seit er den NBA-Klub Brooklyn Nets gekauft hat.

Prochorow hat auf den Druck bereits reagiert: Über Nacht wurde die Chefredaktion der Medienholding entlassen. Als neues Führungsteam sind zwei stellvertretende Chefredakteure der staatlichen Nachrichtenagentur Tass vorgesehen. Die Sendepolitik von RBK dürfte damit deutlich loyaler gegenüber dem Kreml werden.

Bei Prochorow sei zudem der Entschluss gewachsen, sich von allen russischen Beteiligungen zu trennen, wobei die Aufforderung aus dem Kreml eine Rolle gespielt habe, berichtete nun die für gewöhnlich gut unterrichtete Wirtschaftszeitung Wedomosti unter Berufung auf mehrere Informanten. Eine endgültige Entscheidung dazu sei nicht gefallen, widersprach am Montag ein Sprecher von Onexim der Darstellung.

Eigentümer von NBA-Klub

Überraschend käme der Rückzug Prochorows dennoch nicht: Seit langem sucht der außerhalb Russlands vor allem durch den Kauf des NBA-Clubs Brooklyn Nets bekannte Milliardär nach Käufern für Kwadra, Renaissance Capital und Soglasije. Kürzlich tauchte dann, wie aus den Führungskreisen verschiedener anderer Medien verlautete, auch RBK auf der Verkaufsliste auf, auch wenn Onexim dies weiterhin dementiert. Und auch Prochorows geplanter Ausstieg beim Düngemittelkonzern Uralkali ist schon länger bekannt. Lediglich über Verhandlungen, seinen Anteil bei Rusal abzustoßen, wurde zuvor noch nicht berichtet. André Ballin aus Moskau, 5.7.2016)

Share if you care.