Chinesische Midea bei Übernahme von Kuka praktisch am Ziel

4. Juli 2016, 16:13
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Offert läuft noch bis 15. Juli – Voith rechnet mit 1,2 Mrd. Euro Erlös für sein Paket, bei Loh fast halbe Milliarde

München – Der chinesische Hausgeräte-Hersteller Midea ist bei der geplanten Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka praktisch am Ziel. Am Montag wurde bekannt, dass der Unternehmer Friedhelm Loh als zweiter Kuka-Großaktionär sein Paket von 10 Prozent schon Midea verkauft hat. "Ich habe am Donnerstag die Entscheidung zum Verkauf des Aktienpakets gefällt und am Freitag umgesetzt", so Loh im "Handelsblatt".

Zuvor hatte bereits der Technologiekonzern Voith Kuka den Rücken gekehrt. Zusammen mit dem 13,5-Prozent-Anteil, den Midea sich bereits gesichert hatte, kämen die Chinesen also schon auf 48,5 Prozent. Damit wären sie nur noch knapp von einer Mehrheit entfernt. Wie viele Kleinaktionäre ihnen ihre Anteile inzwischen angedient haben, ist nicht bekannt. Das zuvor genannte Mindestziel von 30 Prozent wäre aber bereits deutlich überschritten.

Entscheidung nach Interessenslage

Der schwäbische Maschinenbauer Voith hatte bereits am Wochenende mitgeteilt, sein Aktienpaket von 25,1 Prozent an Midea zu verkaufen. Zusammen mit dem bisherigen Anteil und weiteren zuletzt übernommenen Papieren kommen die Chinesen jetzt auf rund 53 Prozent bei Kuka, berichtete Reuters

Das Offert läuft zunächst bis zum 15. Juli. Voith rechnete mit einem Erlös von 1,2 Mrd. Euro für sein Aktienpaket. Loh dürften fast eine halbe Milliarde Euro zufließen – er versicherte, er habe sich mit Voith nicht abgestimmt. "Absprachen machen keinen Sinn, denn letztlich muss jeder Aktionär für sich selbst aufgrund der eigenen Interessenlage entscheiden", sagte Loh dem "Handelsblatt".

Der Kuka-Vorstand hat mit Midea einen bis Ende 2023 gültigen Investorenvertrag geschlossen und seinen Aktionären einen Verkauf an die Chinesen empfohlen. Der Vertrag sieht umfassende Garantien für Mitarbeiter und Kunden vor. Kritiker befürchten wegen des Midea-Angebots den Ausverkauf von deutschen Interessen, weil Kuka bei Zukunftstechnologien der "Industrie 4.0" aktiv ist. Eine Alternativofferte deutscher Unternehmen gibt es aber nicht.

Gewerkschaften unerfreut

Die IG Metall reagierte enttäuscht auf den Rückzug der beiden Großaktionäre. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Ankeraktionäre die Stellung halten und wir Kuka gemeinsam erfolgreich machen", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Augsburg und Kuka-Aufsichtsratsvize Michael Leppek der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der Gewerkschafter noch betont, er hoffe, dass Voith und Loh ihre Anteile behalten, weil dies "ein wichtiges Signal für die Nachhaltigkeit der deutschen Wirtschaft und gegen kurzfristiges Gewinnstreben" wäre.

Grundsätzlich sei durch den Fall Kuka eine wichtige Diskussion angestoßen worden, sagte Leppek. Es stelle sich die Frage, welche Einflussmöglichkeiten die Politik habe und mit welchen Schutzmechanismen sich solche Fälle künftig verhindern ließen. (APA, 4.7.2016)

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