Drei Barclays-Händler der Libor-Manipulation schuldig gesprochen

4. Juli 2016, 15:50
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Strafmaß wird am Donnerstag verkündet

London – Ein Londoner Gericht hat drei ehemalige Händler der britischen Großbank Barclays der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor schuldig gesprochen. Das Trio habe sich in betrügerischer Absicht abgesprochen, um an dem Zinssatz zu drehen, von dem weltweit Finanztransaktionen im Volumen von 450 Billionen Dollar (404 Billionen Euro) abhängen, befanden die Geschworenen.

Das Strafmaß will der Southwark Crown Court am Donnerstag verkünden. Die Ermittlungen waren vom britischen Serious Fraud Office (SFO) angestrengt worden, das als Reaktion auf die Finanzkrise eingerichtet wurde. Die Behörde ist für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität zuständig und nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt.

Den Höchstrangigen unter den Angeklagten, einen in Kalkutta geborenen 45-Jährigen, befanden die Geschworenen einstimmig für schuldig, einen 35- und einen 38-Jährigen verurteilten sie nach dem zehn Wochen dauernden Verfahren in einem Mehrheitsvotum. Ein weiterer Banker, der für die Meldungen des Libor-Zinses zuständig war, hatte sich selbst als schuldig bekannt. Bei zwei weiteren Angeklagten wurde sich die Jury nicht einig. Die Staatsanwälte hatten ihnen vorgeworfen, aus Habgier gehandelt zu haben. Barclays hatte wegen der Manipulationen bereits vor vier Jahren eine saftige Strafe erhalten, Vorstandschef Bob Diamond stolperte über den Skandal.

Verurteilte bestreiten Manipulation

Die drei Verurteilten hatten bestritten, den Libor zwischen Juni 2005 und September 2007 mit der Absicht manipuliert zu haben, sich selbst und der Bank mehr Gewinn zu verschaffen. Sie hatten vor Gericht erklärt, ihre Vorgesetzten hätten Absprachen über den Zinssatz genehmigt, sie hätten die Anfragen zum Libor in Übereinstimmung mit den Regeln über das Mail-System der Bank geschickt. Die Zinssätze hätten stets die Derivate-Positionen zum Libor widergespiegelt.

Der 35-Jährige, der seit Geburt schwerhörig und Legastheniker ist, verfolgte das Urteil auf der Anklagebank mit gesenktem Kopf, auf der Besuchertribüne weinte seine Ehefrau. Der 45-jährige Manager schüttelte bei der Urteilsverkündung ungläubig den Kopf.

Der ehemalige UBS – und Citigroup-Händler Tom Hayes war im August 2015 im ersten Libor-Prozess in London wegen der Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Dem SFO war es im Jänner aber nicht gelungen, sechs weiteren Bankern nachzuweisen, mit Hayes gemeinsame Sache gemacht zu haben. Sie wurden freigesprochen. (APA, Reuters, 4.7.2016)

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