Angst zwingt Araber in westliche Kleidung

5. Juli 2016, 11:39
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Nach Verhaftung eines traditionell gekleideten Mannes aus den Emiraten in den USA wegen Jihadismus-Verdachts wird zur Vorsicht geraten

Abu Dhabi / Kairo – Wenn Emiratis in diesen Tagen ihre Koffer für einen Sommerurlaub packen, müssen sie umdenken. Ihre Regierung rät Frauen und Männern, im Ausland auf ihre traditionellen Gewänder, die weiße Gandoura oder die schwarze Abaya, zu verzichten, um nicht ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Anlass war das Erlebnis eines Emirati in den USA, der in Ohio von einer Hotelangestellten bei der Polizei als mögliches IS-Mitglied angezeigt wurde.

Der 41-Jährige, der sich nach einer Herzoperation in den USA erholte, trug sein traditionelles weißes bodenlanges Hemdkleid. Er wurde von den Polizisten so brutal durchsucht und in Handschellen gefesselt, dass er eine Panikattacke und einen Zusammenbruch erlitt und ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Die Bilder über den Vorfall wurden im Internet publiziert, was für den Betroffenen eine weitere Schmähung bedeutete. In den Golfländern gab es am Wochenende keine Meldung, die mehr Aufmerksamkeit erhielt. Im Netz wurde viel Verärgerung zum Ausdruck gebracht. Von den Emiratis im Ausland würde kulturelle Sensitivität verlangt, während es selbstverständlich sei, dass Touristinnen in den Emiraten Bikini tragen und wenig Rücksicht auf die konservative Gesellschaft nehmen würden, lautete der Tenor. Die Stadtbehörden von Avon und das US-Außenministerium bedauerten inzwischen das Missverständnis und versprachen sich dafür einzusetzen, dass solche Vorfälle sich nicht wiederholen.

Regierung rät zur Vorsicht

Einer Zeitung erklärte der Betroffene, er hätte bei all seinen Reisen die eigene traditionelle Kleidung getragen. Um ihre Bürger zu schützen, rät die Regierung der Emirate nun aber zur Vorsicht. In den Golfländern ist es für Einheimische beim Besuch aller öffentlichen Einrichtungen Pflicht, dass sie Gandoura oder Dishdasha – komplettiert durch ein von einem Ring gehaltenes Kopftuch – tragen, die ihnen vorbehalten sind.

Von Land zu Land gibt es kleine Unterschiede, etwa im Schnitt des Kragens oder bei den Verzierungen. Aber allen Gewändern gleich ist, dass sie blütenweiß und steif gebügelt sein müssen. Früher war dieses Outfit bei Auslandreisen eher eine Kuriosität, aber seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und zunehmendem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wird dies oft mit Religion gleichgesetzt und nicht mit kultureller Tradition. Diese Entwicklung hat bereits in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass manch arabischer Tourist lieber in die Türkei oder ein asiatisches Land als nach Europa oder in die USA gereist ist.

Das bekommen vor allem auch die Frauen zu spüren, insbesondere wenn sie neben der bodenlangen schwarzen Abaya auch noch das Gesicht verhüllen. Dieser Gesichtsschleier ist nun im Westen an verschiedenen Orten gesetzlich verboten, etwa in Frankreich, in Lettland oder im Schweizer Kanton Tessin. Das trifft besonders arabische Touristinnen. Die Regierung der Emirate und anderer Golfländer fordern deshalb ihre Auslandreisenden explizit auf, sich an die geltenden Gesetze ihres Gastlandes zu halten. (Astrid Frefel, 5.7.2016)

  • Traditionelle Gewänder aus Arabien: früher eine Kuriosität im Ausland, heute oft mit Religion und religiösem Fanatismus gleichgesetzt.
    foto: ap photo/kamran jebreili

    Traditionelle Gewänder aus Arabien: früher eine Kuriosität im Ausland, heute oft mit Religion und religiösem Fanatismus gleichgesetzt.

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