Der Zweck heiligt die Feindschaft

4. Juli 2016, 15:26
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Das Halbfinale zwischen Portugal und Wales ist auch das Duell Cristiano Ronaldo gegen Gareth Bale. Bei Real Madrid siegen sie gemeinsam. Eine Arbeitsgemeinschaft, denn privat pflegen sie keinen Kontakt

Lyon – Im Speisesaal auf dem Trainingsgelände von Real Madrid hat man Cristiano Ronaldo und Gareth Bale noch nie nebeneinandersitzen sehen. In der Umkleidekabine liegen die Schließfächer von Toni Kroos, James Rodríguez und Karim Benzema zwischen denen der beiden Superstars. Ronaldo und Bale pflegen keinen privaten Kontakt. Vor dem EM-Halbfinale zwischen Portugal und Wales am Mittwoch in Lyon wird da keine Ausnahme gemacht. Nicht nur aus geografischen Gründen.

"Es ist das Spiel Portugal gegen Wales, mehr nicht", sagt Bale. Hätte er gerne, spielt's aber nicht. Spätestens seit Bale vor drei Jahren für die Rekordablöse von 100 Millionen Euro von Tottenham Hotspur nach Madrid wechselte, sind sie zwei Rivalen in einem Team. Selbst die Kollegen beim spanischen Rekordmeister sind davon betroffen. Die Beziehungen von Marcelo und Rodríguez zu Bale sollen abgekühlt sein. Beide gelten als Vertraute Ronaldos.

Sosehr sie sich auch außerhalb des Platzes meiden: Ronaldo und Bale haben begriffen, dass sie sportlich voneinander profitieren. Seit Bale das Trikot der Königlichen trägt, haben sie gemeinsam zweimal die Champions League gewonnen. Als Bale in der vergangenen Saison verletzungsbedingt ausfiel, erklärte Ronaldo, dass das Spiel für ihn mit dem Waliser an der Seite deutlich einfacher sei.

Bei der EURO verlaufen ihre Formkurven höchst unterschiedlich. CR7 bewahrte Portugal zwar mit zwei Toren und einer Vorlage beim 3:3 gegen Ungarn vor dem blamablen Vorrundenaus, doch ansonsten ist der dreimalige Weltfußballer von seiner Bestform ein Stück weit entfernt.

Bale hingegen ist nicht nur aufgrund seiner drei Treffer maßgeblich am Höhenflug des Außenseiters beteiligt. Im Spiel der Drachen besitzt er jene Freiheiten, die er bei Real wegen Ronaldo nicht hat. Die Statistik spricht für ihn: 33-mal ging Bale bereits ins Dribbling (Ronaldo: 9), zehnmal setzte er seine Mitspieler mit Flanken in Szene (Ronaldo: 1), zudem kommt er auf acht Tacklings (Ronaldo: 0). Nicht nur deshalb sagt die walisische EM-Entdeckung, der Stürmer Hal Robson-Kanu: "Messi und Ronaldo sind nicht von dieser Welt, aber wir haben Gareth. Und er ist besser als alle beide."

Thema in Spanien

Ronaldo lassen solche Aussagen kalt. Am Montag scherzte er mit den Teamkollegen beim Training, der 31-Jährige wirkte gelöst. Ronaldo will mit Portugal endlich einen Titel gewinnen, seine persönliche Bilanz gegen den fünf Jahre jüngeren Bale ist äußerst positiv. Fünfmal spielten sie gegeneinander, viermal verließ Ronaldo bei einem Unentschieden mit seiner Mannschaft (Manchester United, Real Madrid) den Platz als Sieger. "In Spanien ist das sicher ein Thema", sagt Portugals Trainer Fernando Santos. "Uns interessiert das nicht."

Doch das Duell Portugal gegen Wales wird in erster Linie auf die beiden Topstars reduziert, deren Lebensstil unterschiedlicher kaum sein könnte. Bale gilt als der nette Bub von nebenan: bescheiden, zurückhaltend, bodenständig. Ronaldo präsentiert gerne seine 10.000-Dollar-Armbanduhr, seine 500-Dollar-Sonnenbrille und seinen glänzenden Gürtel von Dolce & Gabbana.

Und in Madrid erzählen sie immer noch die Legende des eingeschnappten Ronaldo. Der Portugiese sei wutentbrannt ins Büro des Präsidenten Florentino Perez gestürmt, nachdem Bale bei seinem Wechsel nach Madrid noch einmal sechs Millionen Euro teurer gewesen sein soll als er selbst (94 Millionen). Zur Beruhigung sei das ohnehin jenseitige Gehalt des Portugiesen deutlich erhöht worden. Die gegenseitige Sympathie blieb niedrig. (red, sid, 4.7. 2016)

  • Der Schein trügt: Ronaldo (31) und der 26-jährige Bale (unten) sind bei Real keine Freunde geworden. Nur im Torjubel sind sie vereint.
    foto: ap/lukatsky

    Der Schein trügt: Ronaldo (31) und der 26-jährige Bale (unten) sind bei Real keine Freunde geworden. Nur im Torjubel sind sie vereint.

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