Mehr Polizeistreifen am Stadtrand nach Home-Invasions

4. Juli 2016, 15:06
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Der Raubüberfall auf ein Ehepaar in Wien-Döbling im Februar wurde nun geklärt – Home-Invasions sind laut Polizei aber kein neues Phänomen

Wien – Die Tat sorgte aufgrund der brutalen Vorgehensweise der fünf Täter für Schlagzeilen: Am 16. Februar wurde ein älteres, gut situiertes Ehepaar in Döbling im eigenen Haus misshandelt, gefesselt und zur Herausgabe von Bargeld und Schmuck gezwungen. Die Opfer wurden verletzt. Am Montag präsentierte die Polizei im Rahmen einer Pressekonferenz in der Wiener Landespolizeidirektion einen Ermittlungserfolg: Ein 27-jähriger, in Österreich geborener Täter konnte Mitte Juni verhaftet werden, er ist geständig.

Vier weitere Täter aus Serbien wurden ausgeforscht. Drei befinden sich noch auf der Flucht, es liegen internationale Haftbefehle vor. Ein fünfter Täter wurde bereits in Rumänien wegen eines anderen Delikts festgenommen.

Der verdächtige Österreicher wurde mithilfe von DNA-Spuren ausgeforscht. Er war wegen kleiner Delikte bereits amtsbekannt. Bei der Tat diente er als Dolmetscher. Er konnte keine weiteren Auskünfte über die Planung geben. Der erbeutete Schmuck wurde unmittelbar nach der Tat bei einem Hehler versetzt. Der 27-Jährige gab an, dafür einen Anteil von 2000 Euro erhalten zu haben.

"Home-Invasion"-Delikte nicht Neues für Polizei

"Home-Invasions" sind Raubüberfälle im Zuhause der Opfer. Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen, wie Oberstleutnant Robert Klug vom Landeskriminalamt (LKA) betonte. Seit Anfang des Jahres wurden laut Auskunft von Oberst Michael Mimra vom LKA vier Home-Invasions in Wien verübt. Die Verdächtigen des nun geklärten Raubs hätten mit den drei noch offenen Fällen aber nichts zu tun. Es dürfte sich um unterschiedliche Gruppierungen handeln.

Bis vorgestern seien in diesem Jahr 42 Delikte im Bereich des Wohnungsraubs verübt worden, sagte Mimra. Die anderen Überfälle spielten sich im Suchtmittelmilieu oder im Familienumfeld ab. Insgesamt gebe es im Wohnungsraub-Sektor eine Aufklärungsquote von 45 Prozent. Seit Jänner wurde ein leichter Anstieg bei Überfällen in Wohnungen von drei bis vier Prozent vermerkt.

Präventionsmaßnahmen und keine Heldentaten

Eine große Panikmache hält Klug dennoch für unangebracht. Seiner Meinung nach würden die polizeilichen Maßnahmen potenzielle Täter abschrecken. Die Polizei habe zudem die Streifentätigkeit am Stadtrand und in abgelegenen Gebieten verstärkt.

August Baumühlner, Präventionsexperte der Polizei, rät bei Raubüberfällen im eigenen Haus dazu, den Schockzustand so schnell wie möglich "runterzudrücken" und die Forderungen zu erfüllen: "In solchen Fällen ist der Täter Chef." Mit mechanischen oder elektronischen Schutzmaßnahmen könnte man viele Kriminelle zudem davon überzeugen, ein anderes Ziel zu suchen. (july, 4.7.2016)

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