Juno leitet kritisches Bremsmanöver ein

4. Juli 2016, 13:56
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Heute früh um 5:18 Uhr MESZ feuern Triebwerke 35 Minuten lang, damit die Sonde in den Jupiterorbit einfädeln kann

Washington – Die Nasa-Sonde Juno steht unmittelbar vor der kritischsten Phase ihrer Mission: In wenigen Stunden wird der 3.500 Kilogramm schwere Instrumententräger ein 35 Minuten langes Bremsmanöver einleiten, mit dessen Hilfe er in einen langgestreckten Orbit um den Jupiter einschwenken soll. "Wir sind bereit", erklärte Scott Bolton (Southwest Research Institute in San Antonio), Hauptverantwortlicher für die Juno-Mission, am Montag. "Das Team blickt gespannt der Ankunft beim Jupiter entgegen."

Die allerdings wird kein Spaziergang – und man hat nur einen Versuch: Die gewaltigen gravitativen Kräfte des größten Planeten unseres Sonnensystems zerren seit geraumer Zeit an Juno und beschleunigen sie immer weiter. Mittlerweile rast sie mit fast 265.000 Stundenkilometern relativ zur Erde auf das Jupitersystem zu; kaum ein von Menschenhand gebautes Raumfahrzeug war jemals schneller. Bei diesem Tempo muss Juno gleichsam eine Vollbremsung hinlegen, um die angepeilte Umlaufbahn nicht zu verpassen. Schafft die Sonde die Geschwindigkeitsreduktion um rund 2.000 Kilometer pro Stunde (542 Meter pro Sekunde) nicht, schießt sie an dem Gasriesen vorbei und bleibt in einem weiten Sonnenorbit gefangen.

Kameras abgeschaltet

Begonnen hat die sogenannte "Jupiter-Einschusssequenz" (englisch: Jovian Orbit Insertion) allerdings schon am 1. Juli mit der Übertragung der entsprechenden Steuersequenz für die Programmierung. Seit dem 25. Juni befindet sich Juno im stärksten planetaren Magnetfeld des Sonnensystems. Damit keine elektronischen Störungen auftreten, wurden bis auf weiteres alle nicht für das Manöver benötigten Instrumente abgeschaltet, darunter auch die Kameras.

Einige Tage später, am 3. Juli um etwa 20 Uhr MESZ, kreuzte Juno die Bahn von Callisto, dem äußersten der vier Galileischen Monde. Die Orbits von Ganymed und Europa folgten heute um 13 Uhr und 19:30 Uhr. Um 23.15 Uhr MESZ schließlich ließ Juno auch den Mond Io hinter sich.

48 Lichtminuten entfernt

Der eigentliche, 35 minütige Bremsvorgang beginnt heute um 5:18 Uhr MESZ. Diese Zeitangabe bezieht sich allerdings auf die Ankunftszeit der entsprechenden Signale auf der Erde. Das tatsächliche Manöver – ob erfolgreich oder nicht – hat da bereits 48 Minuten vorher stattgefunden; so lange nämliche benötigt das Licht für die 860 Millionen Kilometer lange Reise zu uns. Mit den ersten Telemetriedaten, an denen sich Erfolg oder Misserfolg ablesen lassen, sollen ab 6 Uhr MESZ eintreffen.

Trotz dieser riesigen Distanzen bezieht Juno ihre Energie einzig von ihren drei fast neun Meter langen Solarpanelen. Auch dies ist ein Rekord: Die bisher fernste Sonde, die sich ausschließlich auf Sonnenenergie verließ, die ESA-Kometensonde Rosetta, ist "nur" 793 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.

Fast 3 Milliarden Kilometer lange Reise

Rund 2.800 Millionen Kilometer hat Juno, die nach der Gattin des Göttervaters Jupiter benannt wurde, seit ihrem Start 2011 zurückgelegt. Gelingt das bevorstehende Manöver, dann soll die Sonde sich auf 4.667 Kilometer an die Gaswolken des Jupiters annähern – so nah wie kein ein anderes Raumfahrzeug zuvor. Die Missionsdauer ist auf eineinhalb Jahre angesetzt. Bis Februar 2018 soll Juno den Jupiter insgesamt 37 Mal umkreisen. Danach will die Nasa die Sonde kontrolliert zum Absturz bringen.

Von der rund eine Milliarde Euro teuren Mission erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Geburt des Gasriesen – und damit auch über die Entstehung des gesamten Sonnensystems. Einfach wird die Forschung am Jupiter allerdings nicht. Damit Juno trotz der Strahlenhölle und der enormen Magnetfelder funktionieren kann, stecken wesentliche Komponenten in einer Titan-Hülle. (red, 4.7.2016)

  • Das letzte Bild, das Juno von Jupiter und seinen großen Monden zur Erde geschickt hat, stammt vom 21. Juni und wurde aus einer Distanz von 10,9 Millionen Kilometer geschossen.
    foto: nasa/jpl-caltech/swri/msss

    Das letzte Bild, das Juno von Jupiter und seinen großen Monden zur Erde geschickt hat, stammt vom 21. Juni und wurde aus einer Distanz von 10,9 Millionen Kilometer geschossen.

  • Juno rast mit 265.000 Stundenkilometer auf das Jupitersystem zu.
    illu.: nasa/jpl-caltech

    Juno rast mit 265.000 Stundenkilometer auf das Jupitersystem zu.

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