Hemmstoff entdeckt: Forscher nehmen Leukämie-Triebfeder direkt ins Visier

4. Juli 2016, 20:38
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Immunität durch Austausch von Zielregion beweist Spezifität der Hemmstoffe

Wien – Damit sich Blutkrebszellen ungehemmt ausbreiten können, brauchen sie einen bestimmten Eiweißstoff, der das Ablesen von Krebsgenen erleichtert. Einem internationalen Team mit Wiener Beteiligung ist es nun gelungen, dieses Protein namens BRD9 dingfest zu machen und einen Hemmstoff gegen das Eiweiß zu finden. Damit haben die Forscher bewiesen, dass sich der Leukämieantreiber direkt angreifen lässt.

Das Team um Christopher Vakoc vom Cold Spring Harbor Laboratory in New York (USA), in dem auch Forscher vom Boehringer Ingelheim Regionalzentrum Wien waren, zeigte, dass BRD9 ein Teil jener Maschinerie ist, durch die bei einer bestimmten Blutkrebsform (akute myeloische Leukämie – AML) das Wachstumsgen "Myc" ständig aktiv ist. In einer groß angelegten Suche fanden die Forscher "niedermolekulare Verbindungen" (small molecules), die BRD9 blockieren und das ungehemmte Wachstum von Blutkrebszellen in Zellen von Mäusen und Menschen dadurch stoppen.

Austausch im Protein

Sie tauschten die mutmaßliche Zielregion der Hemmstoffe bei BRD9 mit einem sehr ähnlichen Abschnitt von einem verwandten Eiweißstoff aus. Diese chimäre BRD9-Version war nun gegen die Hemmstoffe immun, was zeigt, dass diese direkt an BRD9 und nicht über Umwege wirken, so die Wissenschafter im Fachmagazin "Nature Chemical Biology". Der neue Ansatz, einzelne Regionen auszutauschen, sei auch geeignet, die Wirkorte für viele andere chemische Substanzen nachweisen, meinen sie. (APA, red, 4.7.2016)

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