Waffenlobby-Beschwerde gegen Satireseite legte 38.000 Webseiten lahm

4. Juli 2016, 13:12
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Hoster sperrte Dienstleister nach NRA-Aufforderung aufgrund einer Aktion der "Yes Men", die US-Waffengesetze kritisieren

Sie haben sich schon mit Ölkonzernen und mächtigen Handels-Lobbyisten angelegt, nun hat es auch den mächtigen US-Waffenverband – die National Rifle Association (NRA) – erwischt. Als Reaktion auf ausbleibende Gesetzesänderungen trotz zahlreicher Waffentote haben das Aktivistenduo "The Yes Men" ("The Yes Men Fix The World", "The Yes Men Are Revolting") die Aktion "Share the Safety" inszeniert.

Auf einer Website und in einem Video wurde eine exklusive Kollektion aus drei Pistolen des Herstellers Smith & Wesson beworben. Wer eine solche kaufe, so das Versprechen, finanziere damit eine Spende an eine aus zehn verarmten städtischen Nachbarschaften, bestehend aus einer Waffe und dazugehörigem Training.

the yes men

NRA ergriff Gegenmaßnahmen

Präsentiert wurde diese Aktion auf einer Fake-Pressekonferenz in der Reagan Library nahe Los Angeles als Kooperation der NRA und dem Waffenhersteller anlässlich des Unabhängigkeitstags am vierten Juli. Laut Initiative sollten auch arme und besonders verletzliche Bürger in der Lage zu sein, sich mit Waffen zu verteidigen. Untermalt wurde das Video dabei unter anderem mit Dokumentationen von Polizeigewalt, ausgeübt vorwiegend gegen dunkelhäutige Menschen.

Die NRA zeigte sich wenig erfreut über diese Satire und zog prompt gegen die Website zu Felde. Sie wandte sich laut Motherboard anscheinend per Copyright-Beschwerde (DMCA) an den Clouddienstleister Digital Ocean. Dieser drehte den Zugriff auf alle Websites von Surge ab, einem Dienst für das automatisierte Publizieren von Seiten. Damit ging nicht nur "Share the Safety" vom Netz, sondern auch rund 38.000 weitere Webauftritte.

Aussage gegen Aussage

Bei Surge sorgte das für Verärgerung. Angeblich habe Digital Ocean sich gemeldet und erklärt, dass man einen Gegenantrag einreichen müssen, da man sonst eine Sperre riskiere. Dementsprechend habe man nach Unterlagen dafür gefragt. Doch Minuten nach dem Anruf habe Digital Ocean bereits den Stecker gezogen.

Die Darstellung des Verlaufs seitens des Hosters bei Daily Dot liest sich jedoch anders. Dort erklärt man, die Beschwerde der NRA sei am 23. Juni eingetrudelt. Man sei dem Standard-Prozedere gefolgt und habe den Kunden [Surge, Anm.] unverzüglich informiert und aufgefordert, "Share the Safety" selber vom Netz zu nehmen. Da dort fünf Tage lang niemand handelte, habe man die Sperrwarnung in die Tat umgesetzt. Nachdem Surge schließlich die Satireseite entfernt habe, sei der Zugang weniger als zwei Stunden später wieder möglich gewesen.

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Video und Website weiter online

Der Werbespot für Share the Safety ist weiterhin zugänglich, allerdings über die Youtube-Suche nicht mehr direkt auffindbar. Die US-Urheberrechtsgesetzgebung nimmt Satire-Videos von Ansprüchen nach DMCA-Regelungen aus. Auch die Webseite zur Fake-Initiative ist mittlerweile wieder am Netz. (gpi, 04.07.2016)

  • Arme Nachbarschaften und verletzliche Bevölkerungsgruppen sollten durch die Fake-Initiative mit Waffen ausgestattet werden. Die NRA zeigte sich von "Share the Safety" allerdings nur wenig amüsiert.
    foto: share the safety/the yes men

    Arme Nachbarschaften und verletzliche Bevölkerungsgruppen sollten durch die Fake-Initiative mit Waffen ausgestattet werden. Die NRA zeigte sich von "Share the Safety" allerdings nur wenig amüsiert.

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